„Ich sage es nur aus dem Grunde,“ fuhr Sossimoff fort, „weil Ihre völlige Genesung jetzt hauptsächlich von Ihnen allein abhängt. Jetzt, wo man mit Ihnen reden kann, möchte ich Ihnen vorhalten, daß es notwendig ist, die ursprünglichen, sozusagen die Grundursachen zu beseitigen, die Ihren Krankheitszustand hervorgerufen haben, dann werden Sie auch genesen, sonst kann es wieder schlimmer werden. Diese ursprünglichen Ursachen kenne ich nicht, aber Ihnen müssen Sie bekannt sein. Sie sind ein kluger Mensch und haben sich selbst sicher beobachtet. Mir scheint, der Anfang Ihrer Krankheit fällt teilweise mit Ihrem Austritt aus der Universität zusammen. Sie dürfen nicht ohne Beschäftigung sein, und darum können Arbeit und ein fest vorgenommenes Ziel, wie mich dünkt, Ihnen von sehr großem Werte sein.“
„Ja, ja, Sie haben vollkommen recht ... ich will sofort die Universität besuchen, und dann wird alles ... wie geschmiert gehen ...“
Sossimoff, der seine klugen Ratschläge teilweise wegen der Wirkung auf die Damen erteilt hatte, war natürlich verblüfft, als er seine Rede beendete und auf dem Gesicht seines Zuhörers einen entschieden spöttischen Ausdruck bemerkte. Das währte übrigens nur einen Augenblick. Pulcheria Alexandrowna begann sofort, Sossimoff zu danken, besonders für seinen Nachtbesuch im Hotel.
„Wie, er ist in der Nacht bei euch gewesen?“ fragte Raskolnikoff anscheinend beunruhigt. „Also habt ihr auch nach der Reise nicht geschlafen?“
„Ach, Rodja, das war doch vor zwei Uhr. Wir haben uns auch zu Hause nicht früher als um zwei Uhr schlafen gelegt.“
„Ich weiß nicht, wie ich ihm danken soll,“ fuhr Raskolnikoff finster fort und den Blick senkend, „abgesehen von der Geldfrage – entschuldigen Sie, daß ich es erwähnte“ (er wandte sich an Sossimoff), „ich weiß gar nicht, wodurch ich so eine besondere Aufmerksamkeit Ihrerseits verdient habe? Ich verstehe es einfach nicht ... und ... es lastet auf mir sogar, weil es mir unverständlich ist, – ich sage es Ihnen ganz offen –.“
„Werden Sie nur nicht gereizt,“ lachte Sossimoff gezwungen. „Stellen Sie sich vor, daß Sie mein erster Patient sind, nun, und unsereiner, der soeben zu praktizieren anfängt, liebt seine ersten Patienten wie eigene Kinder, und manche sogar verlieben sich in sie. Und ich bin an Patienten nicht reich.“
„Ich will gar nicht reden von dem dort,“ fügte Raskolnikoff hinzu und wies auf Rasumichin, „auch er hat außer Kränkungen und Sorgen nichts von mir erfahren.“
„Was er faselt! Bist du etwa heute in einer gerührten Stimmung?“ rief Rasumichin.
Wenn er etwas scharfsinniger gewesen wäre, hätte er gesehen, daß hier nichts von einer gerührten Stimmung da war, eher das Gegenteil. Awdotja Romanowna aber hatte es gemerkt. Sie beobachtete durchdringend und voll Unruhe den Bruder.