Die Damen folgten langsam Rasumichin, der vorher die Treppe hinaufgegangen war, und als sie im vierten Stock an der Türe der Wirtin vorbei gingen, bemerkten sie, daß die Türe zu deren Wohnung ganz unbedeutend geöffnet war, und daß zwei schwarze Augen sie beide schnell in der Dunkelheit betrachteten. Als ihre Blicke sich kreuzten, wurde die Türe plötzlich zugeschlagen und mit solch einem Knall, daß Pulcheria Alexandrowna vor Schreck beinahe aufgeschrien hätte.

III.

„Er ist gesund, gesund!“ – rief den Eintretenden Sossimoff fröhlich zu.

Er war schon vor zehn Minuten gekommen und saß in seiner gestrigen Ecke auf dem Sofa. Raskolnikoff saß in der andern Ecke ihm gegenüber, vollkommen angekleidet und frisch gewaschen und gekämmt, was schon lange nicht mehr vorgekommen war. Das Zimmer war mit einem Male voll, aber Nastasja fand doch Zeit, den Besuchern zu folgen, um zuzuhören.

In der Tat, Raskolnikoff war fast gesund, besonders im Vergleiche mit gestern, er war bloß sehr blaß, zerstreut und düster. Dem Äußeren nach glich er einem Verwundeten oder einem, der einen starken physischen Schmerz duldet, – seine Augenbrauen waren zusammengezogen, die Lippen aufeinander gepreßt und der Blick fieberhaft. Er sprach wenig und widerwillig, wie mit großer Anstrengung oder als erfülle er eine Pflicht, und eine Unruhe zeigte sich zuweilen in seinen Bewegungen.

Es fehlte bloß die Binde um den Arm oder ein Verband um den Finger, um die völlige Ähnlichkeit mit einem Verletzten vollzumachen.

Aber dieses bleiche und düstere Gesicht erhellte sich auf einen Augenblick, als Mutter und Schwester eintraten, aber sein Gesicht nahm rasch statt der früheren düsteren Zerstreutheit den Ausdruck innerer Pein an, und Sossimoff, der seinen Patienten mit dem ganzen Eifer des Anfängers beobachtete und studierte, bemerkte voll Verwunderung, statt Freude über die Ankunft der Verwandten, die mühsam versteckte Entschlossenheit, eine mehrstündige Folterqual zu ertragen, die man nicht umgehen kann. Er sah später, wie fast jedes Wort der nachträglichen Unterhaltung irgendeine Wunde seines Patienten zu berühren und aufzuwühlen schien, gleichzeitig aber war er wieder erstaunt, wie dieser heute verstand, sich zu bemeistern und seine Gefühle zu verbergen, – der gestrige Monomane, der wegen des geringsten Wortes fast in Raserei geriet.

„Ja, ich sehe jetzt selbst, daß ich fast gesund bin,“ sagte Raskolnikoff, und küßte die Mutter und die Schwester freundlich, worüber Pulcheria Alexandrowna in Entzücken geriet, „und ich spreche nicht mehr wie gestern,“ fügte er hinzu, sich an Rasumichin wendend, und drückte ihm freundschaftlich die Hand.

„Ich habe mich heute nicht wenig über ihn gewundert,“ begann Sossimoff, der über die Eingetretenen sehr erfreut war, weil er in den zehn Minuten den Faden des Gespräches mit seinem Kranken schon verloren hatte. „Nach drei oder vier Tagen, wenn es so weiter geht, wird alles beim alten sein, das heißt, wie es vor einem oder zwei Monaten ... vielleicht auch vor drei Monaten war. Es hat sich doch seit langem vorbereitet und entwickelt ... ah? Wollen Sie jetzt eingestehen, daß Sie selbst vielleicht mit daran schuld waren?“ fügte er mit einem vorsichtigen Lächeln hinzu, als fürchte er, ihn schon dadurch zu reizen.

„Es ist sehr möglich,“ antwortete Raskolnikoff kalt.