„Höre mal, höre, aber im Ernste, es ist doch ... Was soll das bedeuten, zum Teufel!“ Rasumichin wurde ganz verwirrt und starr vor Schrecken. „Was willst du ihnen erzählen? Ich bin, Bruder ... Pfui, welch ein Schwein du bist!“

„Du bist wie eine Frühlingsrose! Und wie es dir steht, wenn du es nur wüßtest. Romeo, ein neuer Romeo! Und wie du dich heute gewaschen hast, vielleicht auch die Nägel gereinigt? Ah? Wann war dies zuletzt der Fall? Und du hast dich, bei Gott, mit Pomade eingeschmiert! Beuge dich mal!“

„Schwein!“

Raskolnikoff lachte so stark, daß er sich nicht mehr halten konnte, mit Lachen traten sie auch in die Wohnung von Porphyri Petrowitsch ein. Das wollte eben Raskolnikoff bezwecken, – drinnen in den Zimmern konnte man es hören, daß sie lachend ins Vorzimmer eingetreten waren und dort immer noch lachten.

„Kein Wort hier, oder ich ... zerschmettere dich!“ flüsterte Rasumichin und packte wütend Raskolnikoff an der Schulter.

V.

Sie gingen hinein. Raskolnikoff sah aus, als hielte er mit Gewalt an sich, um nicht loszuplatzen. Ihm folgte mit gänzlich verändertem Gesichte Rasumichin, rot wie eine Päonie, vor Scham und Wut, und verlegen. Sein Gesicht und die ganze Gestalt waren in diesem Augenblicke lächerlich und rechtfertigten Raskolnikoffs Heiterkeit. Raskolnikoff, dem Hausherrn noch nicht bekannt, verbeugte sich vor ihm, der mitten im Zimmer stand und sie fragend anblickte, reichte ihm die Hand und drückte die seinige, immer noch mit sichtlicher, großer Mühe seine Lustigkeit bekämpfend, um wenigstens ein paar Worte sagen und sich vorstellen zu können. Aber kaum war es ihm gelungen, eine ernste Miene anzunehmen und etwas hinzumurmeln, – als er plötzlich, wie unwillkürlich wieder Rasumichin anblickte und da hielt er es nicht mehr aus, – sein unterdrücktes Lachen brach um so ungestümer hervor, je stärker er es bis jetzt zurückgehalten hatte. Die ungewöhnliche Wut, mit der Rasumichin dieses „herzliche“ Lachen auffaßte, verlieh diesem ganzen Auftritt das Aussehen von aufrichtigster Lustigkeit und, was die Hauptsache war, Natürlichkeit. Rasumichin trug, als beabsichtigte er’s, noch viel dazu bei.

„Pfui, zum Teufel!“ brüllte er, holte mit der Hand aus und traf einen kleinen runden Tisch, auf dem ein leeres Teeglas stand. Alles fiel hin und zerbrach.

„Ja, warum müssen denn gleich Stühle zerschlagen werden, meine Herren, das ist ein Verlust für den Staat!“ rief Porphyri Petrowitsch lachend aus.

Der Auftritt stellte sich wie folgt dar, – Raskolnikoff lachte weiter, seine Hand in der Hand des Hausherrn lassend, aber er kannte das Maß und wartete nur auf den Augenblick, um schnell und natürlich zu enden. Rasumichin, durch den Fall des Tisches und des zerschlagenen Glases völlig verwirrt, blickte düster auf die Scherben, spie aus und drehte sich schroff nach dem Fenster, wo er sich mit dem Rücken gegen die übrigen hinstellte und mit fürchterlich finsterem Gesichte hinausschaute, aber nichts sah. Porphyri Petrowitsch lachte und hätte noch mehr gelacht, wenn er nur eine Erklärung dafür gehabt hätte. In der Ecke auf einem Stuhle hatte Sametoff gesessen, der sich beim Eintritt der Besucher erhob und in Erwartung dastand; sein Mund war zu einem Lächeln verzogen, aber er schaute stutzig und mißtrauisch dem ganzen Auftritt zu und sah Raskolnikoff verwirrt an. Die unerwartete Anwesenheit Sametoffs überraschte Raskolnikoff unangenehm.