„Wir haben uns gestern doch bei dir kennengelernt,“ sagte er ungezwungen.
„Also hat mich Gott vor Schererei behütet; in der vorigen Woche hat er mich geplagt, ihn mit dir, Porphyri, irgendwie bekannt zu machen, und nun habt ihr euch, ohne meine Hilfe, gefunden ... Wo hebst du deinen Tabak auf?“
Porphyri Petrowitsch war in Hauskleidung, – in einem Schlafrock, sehr reiner Wäsche und in abgetretenen Pantoffeln. Es war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, unter Mittelgröße, dick, mit einem Bäuchlein, glattrasiert, ohne Schnurrbart, mit kurz geschnittenem Haare auf dem großen runden Kopfe, der nach hinten zu besonders gewölbt war. Sein volles, rundes und ein wenig stumpfnäsiges Gesicht hatte eine kränkliche, dunkelgelbe Farbe, war aber munter und sogar spöttisch. Es wäre gutmütig zu nennen, wenn nicht der Ausdruck der Augen, die mit fast weißen, zwinkernden Wimpern bedeckt waren, mit ihrem wässerigen Glanze störend gewirkt hätte. Der Blick dieser Augen paßte wenig zu der ganzen Gestalt, die entschieden etwas Weibisches an sich hatte, und machte ihn viel ernster, als man beim ersten Anblick vermutete.
Als Porphyri Petrowitsch vernahm, daß der Besucher ein kleines Ansuchen an ihn habe, bat er ihn sofort, auf dem Sofa Platz zu nehmen. Er setzte sich selbst in die andere Ecke und sah den Besucher voll Erwartung mit einer starken und zu ernsten Aufmerksamkeit an, die bedrücken und vollends gleich beim ersten Zusammensein verwirren mußte, um so mehr, wenn das, was man vorzubringen hat, durchaus in keinem Verhältnisse zu einer so ungewöhnlichen Aufmerksamkeit zu stehen scheint. Raskolnikoff jedoch legte seine Angelegenheit in kurzen und bündigen Worten, deutlich und klar dar, und war mit sich so zufrieden, daß er noch Gelegenheit fand, Porphyri Petrowitsch genau zu betrachten. Auch Porphyri Petrowitsch wandte keinen Augenblick seine Augen von ihm ab. Rasumichin hatte an demselben Tische ihnen gegenüber Platz genommen und verfolgte eifrig und ungeduldig die Darstellung der Sache, wobei er alle Augenblicke und ziemlich auffällig seine Augen von einem zu dem andern gleiten ließ.
„Dummkopf!“ schimpfte Raskolnikoff bei sich.
„Sie müssen eine Eingabe an das Polizeibureau machen,“ antwortete mit Geschäftsmiene Porphyri, „daß Sie über diesen Vorfall, das heißt von diesem Mord erfahren haben, und bitten den Untersuchungsrichter, der diese Sache führt, zu benachrichtigen, daß die und die Sachen Ihnen gehören, und daß Sie sie einlösen möchten ... oder Ähnliches ... man wird Ihnen das übrigens sagen.“
„Das ist ja das Unbequeme, daß ich in diesem Augenblicke,“ Raskolnikoff bemühte sich, möglichst verlegen zu werden, „nicht recht bei Kassa bin ... und sogar so eine Kleinigkeit nicht kann ... sehen Sie, ich möchte jetzt nur erklären, daß es meine Sachen sind, und daß, wenn ich Geld haben werde, ich ...“
„Das ist einerlei,“ antwortete Porphyri Petrowitsch, die Erklärung über die Finanzlage kalt aufnehmend, „übrigens, Sie können auch direkt an mich, wenn Sie wollen, in demselben Sinne schreiben, daß Sie das und das in Erfahrung gebracht haben und die und die Sachen als Ihr Eigentum angeben und bitten ...“
„Man kann es auf einfachem Papiere schreiben?“ beeilte sich Raskolnikoff, ihn zu unterbrechen, wieder ein Interesse für die Geldfrage zeigend.
„Oh, auf dem allereinfachsten Papiere!“ und plötzlich blickte ihn Porphyri Petrowitsch spöttisch mit zusammengekniffenen Augen an und schien ihm zuzuzwinkern.