Vielleicht hatte es auch Raskolnikoff bloß so geschienen, denn es dauerte nur einen Augenblick. Etwas war wenigstens gewesen. Raskolnikoff hätte darauf schwören mögen, daß er ihm zugezwinkert habe, weiß der Teufel warum.

„Er weiß alles!“ durchzuckte es ihn wie ein Blitz.

„Entschuldigen Sie, daß ich Sie mit solchen Kleinigkeiten belästigt habe,“ fuhr er etwas verwirrt fort, „meine Sachen sind im ganzen höchstens fünf Rubel wert, aber sie sind mir besonders teuer, als ein Andenken an die, von denen ich sie erhalten habe und, offen gestanden, als ich es hörte, erschrak ich sehr ...“

„Darum fuhrst du auch gestern so auf, als ich Sossimoff erzählte, daß Porphyri die Pfandgeber ausfrage!“ bemerkte Rasumichin mit deutlicher Absicht.

Das war schon unerträglich. Raskolnikoff konnte sich’s nicht versagen, ihn wütend mit seinen vor Zorn funkelnden schwarzen Augen anzublicken. Er besann sich aber sofort.

„Du scheinst dich über mich lustig zu machen, Bruder?“ wandte er sich an ihn mit geschickt gespielter Gereiztheit. „Ich sehe es ein, daß ich vielleicht meine Sorge um diesen Schund übertreibe, der er doch in deinen Augen ist, aber man darf mich darum weder für einen Egoisten, noch für einen habgierigen Menschen halten, und für mich brauchen diese zwei geringen Gegenstände gar kein Schund zu sein. Ich sagte dir schon vorhin, daß diese silberne Uhr, die einen Spottwert hat, das einzige ist, was mir von meinem Vater geblieben ist. Du kannst dich über mich amüsieren, aber soeben ist meine Mutter angekommen,“ wandte er sich plötzlich an Porphyri, „und wenn sie erfahren würde,“ kehrte er sich wieder schnell zu Rasumichin und gab sich besondere Mühe, um mit der Stimme zu zittern, „daß diese Uhr verloren sei, so würde sie – schwöre ich – in Verzweiflung sein! Sie ist doch eine Frau!“

„Ich sagte es gar nicht in dem Sinne! Ganz im Gegenteil!“ rief Rasumichin gekränkt.

„War es auch gut? War es natürlich? Habe ich nicht übertrieben?“ sagte Raskolnikoff bebend zu sich selbst. „Warum sagte ich – sie ist doch eine Frau!“

„Ihre Frau Mutter ist zu Ihnen gekommen?!“ erkundigte sich aus irgendeinem Grunde Porphyri Petrowitsch.

„Ja.“