Es überlief Raskolnikoff bei dieser abscheulichen Antwort kalt. Sswidrigailoff erhob den Kopf, blickte ihn aufmerksam an und lachte plötzlich laut auf.

„Nein, bedenken Sie bloß,“ rief er aus, „vor einer halben Stunde hatten wir einander noch nicht gesehen, hielten uns für Feinde, hatten eine Angelegenheit auszutragen; wir ließen die Sache fallen und verwirren uns in diese Ideen! Nun, habe ich nicht die Wahrheit gesagt, daß wir von einem Stamme sind?“

„Tun Sie mir den Gefallen,“ fuhr Raskolnikoff gereizt fort, „erklären Sie sich schneller und teilen Sie mir mit, warum Sie mir die Ehre erwiesen haben, mich zu besuchen ... und ... und ich habe Eile, habe keine Zeit, ich will fortgehen ...“

„Bitte, bitte. Ihre Schwester Awdotja Romanowna heiratet Herrn Peter Petrowitsch Luschin?“

„Können Sie nicht jede Frage über meine Schwester vermeiden und ihren Namen unerwähnt lassen? Ich begreife nicht, wie Sie es wagen, in meiner Gegenwart ihren Namen auszusprechen, wenn Sie tatsächlich Sswidrigailoff sind.“

„Ich bin doch gekommen, um über sie zu sprechen, wie soll ich denn ihren Namen nicht erwähnen?“

„Gut. Reden Sie, aber schnell!“

„Ich bin überzeugt, daß Sie sich Ihre Meinung über diesen Herrn Luschin, einen Verwandten meiner Frau, schon gebildet haben, wenn Sie ihn nur eine halbe Stunde gesehen oder irgend etwas Sicheres und Genaues über ihn gehört haben. Er paßt nicht für Awdotja Romanowna. Meiner Ansicht nach bringt sich Awdotja Romanowna hier sehr großmütig und uneigennützig zum Opfer für ... für ihre Familie. Mir schien es, auf Grund all dessen, was ich über Sie gehört habe, daß Sie Ihrerseits sehr zufrieden sein würden, wenn diese Heirat ohne Verletzung der Interessen nicht zustandekommen würde. Jetzt aber, nachdem ich Sie persönlich kennengelernt habe, bin ich davon sogar überzeugt.“

„Ihrerseits ist dies alles sehr naiv, entschuldigen Sie, ich wollte sagen, frech,“ erwiderte Raskolnikoff.

„Das heißt, Sie sagen damit, daß ich für meinen eigenen Nutzen sorge. Seien Sie ruhig, Rodion Romanowitsch, wenn ich meine eigenen Vorteile im Auge haben würde, so hätte ich mich nicht so offen ausgesprochen, ich bin doch nicht ganz dumm. In dieser Beziehung will ich Ihnen eine psychologische Merkwürdigkeit offenbaren. Vorhin sagte ich, als ich meine Liebe zu Awdotja Romanowna rechtfertigte, daß ich selbst ein Opfer dieser Liebe sei. Nun, mögen Sie wissen, daß ich jetzt gar keine Liebe mehr, absolut gar keine empfinde, so daß ich mich über mich selbst wundere, denn ich hatte doch tatsächlich so empfunden ...“