Diese letzte Anmaßung war dem Charakter von Peter Petrowitsch so entsprechend, daß Raskolnikoff, bleich vor Zorn und Anstrengung an sich zu halten, sich nicht enthalten konnte und – laut auflachte. Pulcheria Alexandrowna aber war außer sich.
„In Unkosten? In was für Unkosten? Meinen Sie etwa damit unseren Koffer? Es hat doch ein Schaffner ihn umsonst hergeschafft. Mein Gott, wir haben Sie gebunden! Besinnen Sie sich doch, Peter Petrowitsch, Sie haben uns an Händen und Füßen gebunden und nicht wir Sie!“
„Genug, Mama, bitte, genug!“ bat Awdotja Romanowna. „Peter Petrowitsch, tun Sie mir den Gefallen und gehen Sie!“
„Ich gehe sofort, aber noch ein letztes Wort!“ sagte er, völlig außer sich. „Ihre Mutter scheint vollkommen vergessen zu haben, daß ich mich entschlossen hatte, trotz den Gerüchten in der Stadt, die im ganzen Umkreise über Ihren Ruf verbreitet waren, Sie zu heiraten. Indem ich Ihretwegen die öffentliche Meinung nicht beachtete und Ihren Ruf herstellte, konnte ich sicher sehr auf eine Vergeltung hoffen und sogar Ihre Dankbarkeit verlangen ... Und jetzt erst sind mir die Augen geöffnet worden! Ich sehe selbst, daß ich sehr übereilt gehandelt habe, indem ich der öffentlichen Stimme keine Beachtung schenkte ...“
„Ja, hat er denn zwei Köpfe!“ rief Rasumichin aus, sprang vom Stuhle auf und schickte sich schon an, ihm einen Denkzettel zu geben.
„Sie sind ein gemeiner und böser Mensch!“ sagte Dunja.
„Kein Wort mehr! Keine Bewegung!“ rief Raskolnikoff und hielt Rasumichin zurück; dann trat er dicht an Luschin heran.
„Gehen Sie sofort hinaus!“ sagte er leise und deutlich, „und kein Wort mehr, sonst ...“
Peter Petrowitsch blickte ihn einige Sekunden mit bleichem vor Wut verzogenem Gesichte an, wandte sich um und ging hinaus, und sicher hat selten jemand soviel Haß auf einen andern in seinem Herzen davongetragen, wie dieser Mann gegen Raskolnikoff. Ihn und nur ihn allein machte er für alles verantwortlich. Merkwürdig, daß er sich, als er schon die Treppe hinabstieg, immer noch einbildete, daß die Sache vielleicht nicht ganz verloren und bei den Damen wenigstens sogar „sehr leicht“ ins Geleise zu bringen sei.