Peter Petrowitsch, der an diesem Morgen einige fünfprozentige Staatspapiere gewechselt hatte, saß am Tische und zählte das Papiergeld und die Kupons nach. Andrei Ssemenowitsch, der fast nie Geld hatte, ging im Zimmer auf und ab und gab sich den Anschein, als betrachte er diesen Haufen Geld gleichgültig und geringschätzig. Peter Petrowitsch konnte um nichts in der Welt glauben, daß Andrei Ssemenowitsch so viel Geld gleichgültig war, und jener wiederum dachte voll Bitterkeit, daß Peter Petrowitsch wirklich fähig sei, in dieser Weise von ihm zu denken, und sich möglicherweise freue, ihn, seinen jungen Freund, mit den aufgebauten Päckchen von Papiergeld zu reizen und zu verhöhnen, indem er ihn an seine Unbedeutendheit und den zwischen ihnen bestehenden Abstand erinnerte.
Andrei Ssemenowitsch fand ihn heute ungewöhnlich gereizt und unaufmerksam, trotzdem er ihm sein Lieblingsthema über die Errichtung einer neuen eigenartigen „Kommune“ auseinandergesetzt hatte. Die kurzen Erwiderungen und Bemerkungen, die Peter Petrowitsch inmitten seiner Berechnungen machte, zeugten von einer sehr deutlichen und beabsichtigt spöttischen Unhöflichkeit. Aber der „humane“ Andrei Ssemenowitsch schrieb die Stimmung von Peter Petrowitsch dem gestrigen Bruche mit Dunetschka zu und brannte vor Verlangen, schneller dieses Thema zu berühren, – er hätte etwas Fortschrittliches und Propagandistisches für ihn, was seinen ehrenwerten Freund trösten und „sicher“ seiner weiteren Entwicklung von Nutzen sein müßte.
„Was ist das für ein Gedächtnismahl, das diese ... die Witwe da arrangiert?“ – fragte plötzlich Peter Petrowitsch, Andrei Ssemenowitsch bei der interessantesten Stelle unterbrechend.
„Als ob Sie das nicht selbst wüßten; ich habe doch gestern mit Ihnen über dieses Thema gesprochen und Ihnen meine Gedanken über all diese Gebräuche entwickelt ... Sie hat Sie ja auch eingeladen, ich habe es gehört, als Sie gestern selbst mit ihr sprachen ...“
„Ich hätte keineswegs erwartet, daß diese bettelarme, dumme Person all das Geld zu einem Gedächtnismahl verplempern wird, das sie von diesem andern Dummkopf ... Raskolnikoff erhalten hat. Ich war erstaunt, als ich beim Durchgehen sah, – was für Vorbereitungen gemacht sind ... Wein ist aufgestellt! ... Es sind allerhand Menschen geladen, – weiß der Teufel, was das bedeuten soll!“ – fuhr Peter Petrowitsch fort, der absichtlich dieses Gespräch anfing. – „Was? Sie sagen, man hatte auch mich geladen?“ – fügte er plötzlich hinzu und erhob den Kopf. – „Wann war denn das? Ich erinnere mich gar nicht. Ich will übrigens nicht hingehen. Was soll ich dort? Ich habe mit ihr gestern bloß im Vorbeigehen über die Möglichkeit gesprochen, daß sie, als die arme Witwe eines Beamten, seinen Jahresgehalt als eine einmalige Unterstützung erhalten könnte. Sollte sie mich deswegen vielleicht eingeladen haben? He–he!“
„Ich habe auch nicht die Absicht hinzugehen,“ – sagte Lebesjätnikoff.
„Das fehlte noch, wo Sie sie eigenhändig verprügelt haben. Das ist doch begreiflich, Sie müßten sich schämen, he–he–he!“
„Wer hat verprügelt und wen?“ – fragte Lebesjätnikoff aufgebracht und errötete.
„Sie, Sie haben doch Katerina Iwanowna vor einem Monat verprügelt! Ich habe es gestern gehört ... Da haben wir die Prinzipien! ... Also die Frauenfrage hinkt auch. He–he!“
Und Peter Petrowitsch setzte wie getröstet seine Berechnungen fort.