„Schenken Sie ihr besser etwas. Ich wette, daß Sie daran noch nicht gedacht haben.“

„Sie verstehen nichts, gar nichts; ich habe es Ihnen schon oft gesagt! Gewiß, ihre Lage ist derart, aber hier ist noch eine andere Frage! Eine ganz andere Frage! Sie verachten sie einfach. Wenn Sie eine Tatsache sehen, die Sie irrtümlicherweise für verachtungswürdig halten, verweigern Sie einem menschlichen Wesen eine humane Betrachtung. Sie wissen noch gar nicht, was sie für eine Natur ist! Mir tut es nur sehr leid, daß sie in der letzten Zeit fast gänzlich aufgehört hat zu lesen und keine Bücher von mir mehr nimmt. Früher hat sie sich öfters Bücher geholt. Es ist auch schade, daß sie trotz ihrer Energie und Entschlossenheit, zu protestieren, – die sie schon einmal bewiesen hat, immer noch wenig Selbständigkeit, sozusagen Unabhängigkeit, wenig Verneinung besitzt, um sich endgültig von einigen Vorurteilen und ... Dummheiten loszureißen. Und ungeachtet dessen, daß sie manche Fragen ausgezeichnet begreift. Sie hat z. B. glänzend die Frage über das Handküssen verstanden, das heißt, daß der Mann das Gesetz der Gleichheit mit der Frau überschreitet, wenn er ihr die Hand küßt. Über diese Frage wurde bei uns debattiert und ich habe es ihr sofort mitgeteilt. Auch für Assoziationen der Arbeiter in Frankreich zeigt sie Interesse. Jetzt erörterte ich mit ihr die Frage des ungehinderten Zutritts in alle Wohnungen der künftigen Gesellschaft.“

„Was ist das?“

„In letzter Zeit wurde über die Frage debattiert, ob ein Mitglied der Kommune das Recht habe, zu jeder Zeit in das Zimmer eines anderen Mitgliedes, sei es ein Mann oder eine Frau, eintreten darf ..., und es wurde beschlossen, daß er das Recht dazu habe ...“

„Wenn aber der oder die in diesem Augenblicke mit einem natürlichen Bedürfnisse beschäftigt ist, he–he!“

Andrei Ssemenowitsch wurde böse.

„Sie reden immer über dasselbe, über die verfluchten ‚Bedürfnisse‘!“ – rief er voll Haß aus, – „pfui, wie ärgere ich mich, wie bin ich wütend, daß ich damals, als ich Ihnen das System erklärte, so vorzeitig diese verfluchten Bedürfnisse erwähnte! Zum Teufel! Das ist immer der Stein des Anstoßes für Ihresgleichen, am schlimmsten ist es, daß sie es zur Zielscheibe ihrer Witzeleien machen, ehe sie erfahren, wie die Sache ist! Als wären sie im Rechte! Als könnten Sie sich etwas darauf einbilden! Pfui! Ich habe immer behauptet, daß man diese ganze Frage Neulingen erst am Schlusse darstellen kann, wenn sie schon von dem System überzeugt sind, wenn sie schon entwickelt und auf dem richtigen Wege sich befinden. Ja, und sagen Sie mir bitte, was finden Sie Häßliches und Verachtungswürdiges, z. B. an einer Mistgrube? Ich bin der erste, der bereit ist, alle beliebigen Mistgruben zu reinigen! Da ist noch nicht mal etwas Selbstaufopferndes dabei. Es ist einfach eine Arbeit, eine edle, für die Gesellschaft nützliche Tätigkeit, die jeder andern wert ist, nur bedeutend höher steht, als zum Beispiel die Tätigkeit irgendeines Rafael oder Puschkin, weil sie nützlicher ist.“

„Und edler vor allem, edler ist, – he–he!“

„Was heißt edel? Ich verstehe solche Ausdrücke bei der Feststellung von menschlicher Tätigkeit nicht. ‚Edel‘, ‚großmütig‘ – Unsinn, Dummheiten, alte Worte voller Vorurteile, die ich verneine! Alles, was der Menschheit von Nutzen ist, ist auch edel. Ich verstehe nur das eine Wort, – nützlich! Kichern Sie, soviel Sie wollen, es ist doch so!“

Peter Petrowitsch lachte laut. Er hatte seine Berechnungen abgeschlossen und das Geld eingesteckt. Ein Teil davon blieb noch auf dem Tische liegen. Die Frage „über Mistgruben“ hatte schon ein paarmal, trotz ihrer ganzen Flachheit, zur Folge gehabt, daß es zwischen Peter Petrowitsch und seinem jungen Freunde zu Mißverständnissen und Uneinigkeiten gekommen war. Die ganze Dummheit war, daß Andrei Ssemenowitsch sich tatsächlich ärgerte. Luschin fand nur eine Zerstreuung darin, heute jedoch wollte er Lebesjätnikoff ärgern.