„Sie sind wegen Ihres gestrigen Mißerfolges wütend und suchen Streit,“ – platzte endlich Lebesjätnikoff heraus, der trotz seiner „Unabhängigkeit“ und aller seiner „Proteste“ nicht wagte, Peter Petrowitsch entgegenzutreten und noch immer aus früheren Jahren her gewohnt war, Respekt zu beobachten.

„Sagen Sie mir lieber,“ – unterbrach ihn Peter Petrowitsch hochmütig und ärgerlich, – „können Sie ... oder besser gesagt, sind Sie tatsächlich so gut mit der erwähnten jungen Person bekannt, daß Sie sie sofort, auf einen Augenblick, in dieses Zimmer bitten können? Ich glaube, sie sind schon alle vom Friedhofe zurückgekehrt ... Ich höre Schritte ... Ich möchte diese Person einen Augenblick sehen.“

„Wozu denn?“ fragte verwundert Lebesjätnikoff.

„Ich möchte sie sehen. Heute oder morgen verlasse ich diese Wohnung und möchte ihr noch etwas mitteilen ... Ich bitte Sie übrigens, während der Unterredung hier zu bleiben. Es ist besser. Sonst könnten Sie, Gott weiß noch was, denken.“

„Ich denke mir gar nichts dabei ... Ich habe nur gefragt, und wenn Sie etwas vorhaben, so gibt’s nichts Leichteres, als sie hierher zu bitten. Ich will sofort hingehen. Und ich will Sie, seien Sie überzeugt, nicht stören.“

Und wirklich, nach etwa fünf Minuten kehrte Lebesjätnikoff mit Ssonjetschka zurück. Sie trat äußerst verwundert und schüchtern ein. In solchen Fällen war sie stets schüchtern und fürchtete neue Gesichter und neue Bekanntschaften, schon als Kind fürchtete sie sich davor und wieviel mehr noch jetzt ... Peter Petrowitsch begrüßte sie „freundlich und höflich,“ und mit einem Anflug von Vertraulichkeit, die bei solch einem ehrenwerten und soliden Menschen, wie er, einem jungen und in gewissem Sinne interessanten Wesen gegenüber, seiner Meinung nach, gut angebracht war. Er beeilte sich, sie „zu ermutigen,“ und bot ihr einen Platz ihm gegenüber am Tische an. Ssonja setzte sich hin, sah sich um, – sah Lebesjätnikoff an, das auf dem Tisch liegende Geld, blickte wieder zu Peter Petrowitsch und wandte die Augen nicht mehr von ihm ab. Lebesjätnikoff ging zur Türe, Peter Petrowitsch aber stand auf, gab Ssonja ein Zeichen, sitzen zu bleiben und hielt Lebesjätnikoff zurück.

„Ist Raskolnikoff dort? Ist er gekommen?“ fragte er ihn im Flüstertone.

„Raskolnikoff? Er ist da. Warum? Ja, er ist da ... Er ist soeben gekommen, ich habe ihn gesehen ... Was ist mit ihm?“

„Nun, dann bitte ich Sie inständig, hier bei uns zu bleiben und mich nicht allein mit diesem ... Fräulein zu lassen. Es ist eine ganz unbedeutende Sache, aber man kann, weiß Gott, was daraus schließen. Ich will nicht, daß es Raskolnikoff dort erzählt ... Verstehen Sie, was ich meine?“

„Ich verstehe, ich verstehe!“ – begriff plötzlich Lebesjätnikoff. – „Ja, Sie haben recht ... Nach meiner persönlichen Überzeugung gehen Sie in Ihren Befürchtungen zu weit, aber ... Sie haben dennoch recht. Bitte, ich bleibe. Ich will mich hier ans Fenster stellen und will Sie nicht stören ... Meiner Ansicht nach haben Sie recht ...“