„Und die übrigen hundert Rubel wollen Sie nicht gestehen?“ – sagte er vorwurfsvoll und eindringlich, ohne den Schein zu nehmen.
Ssonja blickte ringsum. Alle schauten sie mit schrecklichen, strengen, spöttischen und haßerfüllten Gesichtern an. Sie blickte Raskolnikoff an ... er stand mit gekreuzten Armen an der Wand und sah sie mit einem brennenden Blick an.
„Oh, Gott!“ – entrang es Ssonja.
„Amalie Iwanowna, man muß die Polizei benachrichtigen, und darum bitte ich Sie sehr, vorläufig nach dem Hausknecht zu schicken,“ – sagte Luschin leise und freundlich.
„Gott der Barmherzige! Ich wußte, daß sie es gestohlen hat!“ – schlug Amalie Iwanowna die Hände zusammen.
„Sie wußten es?“ – fiel Luschin ein, – „also hatten Sie auch früher wenigstens gewisse Gründe, solches zu glauben. Ich bitte Sie, verehrteste Amalie Iwanowna, sich an Ihre Worte zu erinnern, die übrigens in Gegenwart von Zeugen ausgesprochen sind.“
Von allen Seiten erhob sich plötzlich lautes Reden. Alle rührten sich.
„Wie – wie!“ – rief plötzlich Katerina Iwanowna, zu sich gekommen, und stürzte zu Luschin, – „wie! Sie beschuldigen sie des Diebstahls? Ssonja? Ach, ihr Schufte, ihr Schufte!“
Und sie eilte zu Ssonja und umarmte sie fest mit ihren hageren Armen.
„Ssonja! Wie durftest du von ihm zehn Rubel nehmen! Oh, du Dumme! Gib sie her! Gib mir sofort diese zehn Rubel – da haben Sie sie!“