Nach dem ersten leidenschaftlichen und qualvollen Ausbruche des Mitgefühles für den Unglücklichen erschütterte sie wieder der schreckliche Gedanke an den Mord. In dem veränderten Tone seiner Worte spürte sie den Mörder. Sie blickte ihn erstaunt an. Sie wußte noch gar nichts, weder warum, noch wie, noch zu welchem Zwecke es geschehen war. Jetzt tauchten alle diese Fragen mit einem Male in ihrem Bewußtsein auf. Und wieder glaubte sie nicht, – „er, er ein Mörder! Ja, ist es denn möglich?“
„Was ist denn? Wo stehe ich denn?“ – sagte sie in tiefem Zweifel, als wäre sie noch nicht zu sich gekommen, – „wie konnten, wie konnten Sie, solch ein Mensch ... sich dazu entschließen ... Was war es denn!“
„Doch wohl, um zu rauben. Höre auf, Ssonja!“ – antwortete er müde und fast ärgerlich.
Ssonja stand wie betäubt, plötzlich aber rief sie aus: „Du warst hungrig! Du ... um der Mutter zu helfen? Ja?“
„Nein, Ssonja, nein,“ – murmelte er, sich abwendend und ließ den Kopf sinken, – „ich war nicht so hungrig ... ich wollte wohl der Mutter helfen, aber ... auch das ist nicht ganz richtig ... quäl mich nicht, Ssonja!“
Ssonja schlug die Hände zusammen.
„Ist es wirklich, ist es wirklich wahr! Oh, Gott, was ist das für eine Wahrheit? Wer kann denn daran glauben? ... Und wie, gaben Sie nicht selbst das Letzte fort, und haben ermordet, um zu rauben! Ah! ...“ – rief sie plötzlich, – „das Geld, das Sie Katerina Iwanowna gegeben haben ... dieses Geld ... oh, Gott, ist auch dieses Geld ...“
„Nein, Ssonja,“ – unterbrach er sie hastig, – „dieses Geld war nicht von dort, beruhige dich! Dieses Geld hat mir meine Mutter durch einen Kaufmann geschickt, und ich habe es erhalten, als ich krank war, am selben Tage, als ich es fortgegeben habe ... Rasumichin hat es gesehen ... er hat es für mich empfangen ... dieses Geld war mein eigenes, gehörte wirklich mir.“
Ssonja hörte ihm unentschlossen zu und versuchte mit allen Kräften etwas zu begreifen.
„Und jenes Geld ... ich weiß übrigens nicht mal, ob auch Geld da war,“ – fügte er leise und wie sinnend hinzu, – „ich habe ihr damals einen Beutel aus Sämischleder vom Halse genommen ... einen dicken, vollgestopften Beutel ... ich habe aber nicht hineingeblickt; wahrscheinlich hatte ich keine Zeit ... Nun, und die Sachen, allerhand Manschettenknöpfe und Ketten, – alle diese Sachen und den Beutel habe ich auf einem fremden Hofe, am W–schen Prospekt, unter einem Steine versteckt ... am andern Morgen noch ... Alles liegt jetzt noch dort ...“