„Solche Qual zu tragen! Und das ganze, ganze Leben hindurch! ...“
„Ich werde mich gewöhnen ...,“ – sagte er düster und nachdenklich. – „Höre,“ – begann er nach einer Weile, – „es ist genug geweint, jetzt ist Zeit, die Sache zu bedenken, – ich bin gekommen, dir zu sagen, daß man mich jetzt sucht, mir nachstellt ...“
„Ach!“ – rief Ssonja erschrocken aus.
„Nun, warum schreist du? Du willst doch selbst, daß ich nach Sibirien gehe, jetzt aber erschrakst du? Eins aber will ich sagen, – ich ergebe mich ihnen nicht. Ich will mit ihnen noch kämpfen, und sie werden mir nichts tun können. Sie haben keine wirklichen Beweise. Gestern war ich in großer Gefahr und dachte, daß ich schon verloren sei; heute hat es sich verbessert. Alle ihre Beweise haben zwei Seiten, das will sagen, – ich kann ihre Beschuldigungen zu meinen Gunsten verwenden, verstehst du? Und ich werde sie zu meinen Gunsten verwenden, denn ich habe es jetzt gelernt ... Ins Gefängnis aber wird man mich sicher sperren. Wenn nicht ein Zufall hinzugekommen wäre, hätte man mich vielleicht schon heute geholt; vielleicht geschieht es heute noch ... Aber das tut nichts, Ssonja, – ich werde eine Zeitlang sitzen und man wird mich freilassen ... denn sie haben keinen einzigen wirklichen Beweis und werden ihn auch nicht bekommen, ich gebe mein Wort darauf. Mit dem aber, was sie besitzen, kann man einen Menschen nicht verurteilen. Nun, genug ... Ich sagte es bloß, damit du es weißt ... Mit meiner Mutter und Schwester will ich es so einzurichten versuchen, daß sie nicht daran glauben, damit sie nicht erschrecken ... Meine Schwester ist jetzt übrigens, wie es scheint, versorgt ... also auch meine Mutter ... Nun, das ist alles. Sei übrigens vorsichtig. Willst du zu mir ins Gefängnis kommen, wenn ich dort sein werde?“
„Oh, ich werde, werde kommen!“
Sie saßen nebeneinander, traurig und niedergeschlagen, als wären sie nach einem Sturme allein an einen einsamen Strand geschleudert worden. Er sah Ssonja an und fühlte ihre große Liebe, und seltsam, es fiel ihm plötzlich schwer und schmerzlich aufs Herz, daß er so geliebt wurde. Es war ein seltsames und furchtbares Gefühl! Als er zu Ssonja ging, empfand er, daß in ihr seine ganze Hoffnung und sein letzter Ausweg liege; er glaubte wenigstens einen Teil seiner Qualen abzuwälzen und jetzt, wo ihr ganzes Herz sich ihm zugewandt hatte, fühlte und erkannte er, daß er um vieles unglücklicher geworden war.
„Ssonja,“ – sagte er, – „komm lieber nicht zu mir, wenn ich im Gefängnis sein werde.“
Ssonja antwortete nicht, sie weinte. Es vergingen ein paar Minuten.
„Hast du ein Kreuz?“ – fragte sie plötzlich unerwartet, als sei es ihr eben eingefallen.
Er verstand zuerst die Frage nicht.