„Was für ein Endchen?“

„Das sage ich nicht, Rodion Romanowitsch. In jedem Falle aber habe ich jetzt nicht mehr das Recht, es hinauszuschieben; ich werde Sie verhaften. Also ziehen Sie dies in Betracht, – für mich ist es jetzt gleichgültig, folglich tue ich es bloß um Ihretwillen. Bei Gott, es wird für Sie besser sein, Rodion Romanowitsch!“

Raskolnikoff lächelte boshaft.

„Es ist doch nicht bloß lächerlich, es ist unverschämt. Und mag ich schuldig sein, – was ich noch gar nicht sage, – nun, warum soll ich denn zu Ihnen mit einem freiwilligen Geständnis kommen, wenn Sie schon selbst sagen, daß ich dort bei Ihnen mich zur Ruhe setzen werde?“

„Ach, Rodion Romanowitsch, trauen Sie nicht ganz den Worten; vielleicht wird es auch nicht ganz ‚zur Ruhe‘ sein! Es ist doch bloß eine Theorie und zudem noch meine eigene, was für eine Autorität aber bin ich für Sie? Vielleicht verheimliche ich auch jetzt noch irgend etwas vor Ihnen. Ich kann Ihnen doch nicht alles offenbaren und zeigen. He–he! Außerdem, Sie fragen, welchen Vorteil Sie haben werden? Ja, wissen Sie auch, welch eine Strafermäßigung Sie erhalten werden? Wann werden Sie kommen, in welchem Augenblick? Überlegen Sie es sich doch bloß! In dem Momente, wo schon ein anderer das Verbrechen auf sich genommen und die ganze Angelegenheit verwirrt hat! Und ich will, – so wahr ein Gott ist – alles ‚dort‘ so einrichten und arrangieren, daß Ihr Geständnis wie vollkommen unerwartet erscheinen wird. Diese ganze Psychologie wollen wir ganz vernichten, allen Verdacht will ich in nichts verwandeln, so daß Ihr Verbrechen, wie eine Art Verblendung erscheinen wird, denn – offen gestanden, – es war auch eine Verblendung. Ich bin ein ehrlicher Mensch, Rodion Romanowitsch, und werde mein Wort halten.“

Raskolnikoff schwieg traurig und ließ den Kopf sinken; er dachte lange nach, plötzlich lächelte er wieder, aber sein Lächeln war diesmal schon sanft und traurig.

„Ach, es ist nicht nötig!“ sagte er, als ob er sich gar nicht mehr vor Porphyri Petrowitsch verberge. – „Es lohnt sich nicht! Ich brauche gar nicht Ihre Strafermäßigung!“

„Das fürchtete ich gerade!“ rief Porphyri Petrowitsch innig und unwillkürlich, – „das fürchtete ich gerade, daß Sie unsere Ermäßigung nicht brauchen.“

Raskolnikoff blickte ihn traurig und eindringlich an.

„Hören Sie, verschmähen Sie das Leben nicht!“ fuhr Porphyri Petrowitsch fort. – „Sie haben noch viel von ihm zu erwarten. Warum ist eine Strafermäßigung nicht nötig, warum nicht? Sie ungeduldiger Mensch!“