Sswidrigailoff schlug voll Ungeduld mit der Faust auf den Tisch. Er war rot geworden. Raskolnikoff sah deutlich, daß das eine oder die anderthalb Glas Champagner, den er unmerklich in kleinen Schlucken getrunken hatte, krankhaft auf ihn gewirkt hatten, – und beschloß diese Gelegenheit wahrzunehmen. Sswidrigailoff erschien ihm sehr verdächtig.
„Nach all dem Gesagten bin ich völlig überzeugt, daß Sie auch hierher gereist sind, weil Sie meine Schwester im Auge haben,“ sagte er zu Sswidrigailoff offen und ohne sich zu verstellen, um ihn nur noch mehr zu reizen.
„Ach, lassen Sie es,“ Sswidrigailoff schien sich plötzlich zusammenzunehmen, „ich habe Ihnen schon gesagt ... und außerdem kann Ihre Schwester mich gar nicht leiden.“
„Ja, davon bin ich auch überzeugt, daß sie es nicht kann, aber es handelt sich jetzt nicht darum.“
„Sind Sie wirklich überzeugt, daß sie mich nicht leiden kann?“ Sswidrigailoff kniff die Augen zusammen und lächelte spöttisch. – „Sie haben recht, sie liebt mich nicht, aber übernehmen Sie nie eine Gewährleistung in Dingen, die zwischen einem Manne und einer Frau oder zwischen einem Liebhaber und seiner Geliebten vorgefallen sind. Es gibt hier stets einen Winkel, der immer der ganzen Welt verborgen bleibt, und der nur den beiden bekannt ist. Übernehmen Sie die Gewährleistung, daß Awdotja Romanowna mich stets mit Widerwillen angeschaut hat?“
„Ich merke aus einigen Ihrer Worte und Andeutungen während Ihrer Erzählung, daß Sie auch jetzt noch unbedingt Absichten gegen Dunja haben, und selbstverständlich gemeiner Natur.“
„Wie! Mir sollten solche Worte und Andeutungen entschlüpft sein?“ sagte erschreckt Sswidrigailoff und in der naivsten Weise, ohne dem Epitheton, der seinen Absichten beigelegt worden war, die geringste Beachtung zu schenken.
„Auch jetzt entschlüpften sie Ihnen. Warum fürchten Sie sich so? Worüber erschraken Sie jetzt plötzlich?“
„Ich soll mich fürchten und erschrocken sein? Soll ich etwa vor Ihnen erschrocken sein? Eher haben Sie Grund, mich zu fürchten, cher ami[18]. Ach, was für Unsinn ... Ich bin berauscht, ich sehe es; beinahe hätte ich mich wieder versprochen. Der Teufel soll den Wein holen! Heda, Wasser!“
Er packte die Flasche und schleuderte sie ohne viel Federlesens zum Fenster hinaus. Philipp brachte ihm Wasser.