„Nein, knien Sie aber nieder und beten Sie für mich. Ihr Gebet wird vielleicht erhört.“

„Laß mich dich bekreuzen, dich segnen! So, so! Oh, Gott, was tun wir!“

Ja, er war froh, er war sehr froh, daß niemand da war, daß er mit der Mutter allein war. Es war, als wäre seit dieser ganzen schrecklichen Zeit sein Herz mit einem Male weich geworden. Er sank vor ihr hin, küßte ihre Füße und beide weinten, einander umarmend. Und sie wunderte sich nicht und fragte ihn nichts. Sie hatte schon lange begriffen, daß mit ihrem Sohne etwas Furchtbares vorgehe, und daß jetzt der schreckliche Augenblick für ihn gekommen war.

„Rodja, mein Lieber, mein Erstgeborener,“ sagte sie schluchzend, „du bist jetzt ebenso zu mir gekommen, wie du es als kleiner Junge tatest; hast mich umarmt und geküßt; als wir noch mit Vater lebten und uns kümmerlich durchschlugen, war es schon ein Trost für uns, daß du bei uns warst, als ich aber deinen Vater beerdigt hatte, – wie oft haben wir uns da umarmt, genau so wie jetzt, und haben an seinem Grabe geweint. Daß ich aber lange schon weine, kommt davon, weil das Mutterherz dein Unglück ahnte. Als ich das erste Mal dich damals am Abend sah, – erinnerst du dich, – als wir hier ankamen, habe ich alles an deinem Blicke allein erraten und mein Herz zuckte zusammen, heute aber, als ich dir öffnete und dich anblickte, dachte ich mir sofort, – nun ist die Schicksalsstunde gekommen. Rodja, Rodja, du reisest doch nicht sofort ab?“

„Nein.“

„Du wirst noch einmal herkommen?“

„Ja ... ich werde herkommen.“

„Rodja, sei mir nicht böse, ich darf dich nicht ausfragen. Ich weiß, daß ich es nicht darf, aber sag mir bloß, nur zwei kleine Worte sage mir: Ist es weit, wohin du reist?“

„Sehr weit.“

„Was, hast du eine Anstellung dort oder ist es für deine Karriere wichtig?“