„Was Gott gibt ... beten Sie nur für mich ...“
Raskolnikoff ging zur Türe, aber sie hielt sich an ihm fest und sah ihm mit einem verzweifelten Blick in die Augen. Ihr Gesicht war vor Entsetzen entstellt.
„Genug, Mama,“ sagte Raskolnikoff und bereute tief, daß er auf den Gedanken gekommen war, herzukommen.
„Es ist doch nicht für immer? Nicht für ewig? Du wirst doch noch herkommen, wirst du morgen kommen?“
„Ich werde kommen, werde kommen, leben Sie wohl!“
Er riß sich endlich los.
Der Abend war frisch, warm und klar; das Wetter war seit dem Morgen schön geworden. Raskolnikoff ging eilig nach Hause. Er wollte allem bis zu Sonnenuntergang ein Ende machen. Bis dahin sollte ihn niemand sehen. Als er zu seiner Wohnung hinaufstieg, bemerkte er, daß Nastasja sich vom Samowar abwandte, ihn unverwandt beobachtete und mit den Augen verfolgte. „Sollte etwa jemand bei mir sein?“ dachte er. Voll Widerwillen dachte er an Porphyri Petrowitsch. Als er aber sein Zimmer erreicht und die Türe geöffnet hatte, erblickte er Dunetschka. Sie saß mutterseelenallein in tiefem Nachdenken und schien schon lange auf ihn zu warten. Er blieb auf der Schwelle stehen. Sie erhob sich erschreckt vom Sofa und blieb aufgerichtet vor ihm stehen. Ihr Blick, unverwandt an ihm haftend, drückte Entsetzen und einen untilgbaren Kummer aus. Und an diesem Blicke merkte er sofort, daß sie alles wußte.
„Soll ich zu dir hineinkommen oder fortgehen?“ fragte er mißtrauisch.
„Ich habe den ganzen Tag bei Ssofja Ssemenowna gesessen; wir haben dich beide erwartet. Wir dachten, daß du unbedingt dorthin kommen würdest.“
Raskolnikoff trat in das Zimmer und setzte sich ermattet auf einen Stuhl.