„Ich bin etwas schwach, Dunja; ich bin zu müde; ich möchte aber wenigstens in diesem Augenblicke mich völlig beherrschen.“

Er warf ihr einen schnellen mißtrauischen Blick zu.

„Wo warst du denn die ganze Nacht?“

„Ich erinnere mich dessen nicht gut; siehst du, Schwester, ich wollte zu einem endgültigen Entschluß kommen und bin mehrere Male an der Newa hin- und hergegangen; dessen erinnere ich mich. Ich wollte dort ein Ende machen, aber ... konnte mich nicht entschließen ...“ flüsterte er und blickte Dunja wieder mißtrauisch an.

„Gott sei Dank! Und wie wir das fürchteten, – ich und Ssofja Ssemenowna! Also, du glaubst noch ans Leben, – Gott sei Dank, Gott sei Dank!“

Raskolnikoff lächelte bitter.

„Ich glaubte nicht daran, soeben aber habe ich die Mutter umarmt und mit ihr zusammen geweint; ich glaube nicht daran, aber ich habe sie gebeten, für mich zu Gott zu beten. Gott weiß, wie das alles vor sich geht, Dunetschka und ich begreife nichts.“

„Du warst bei der Mutter? Du hast ihr es selbst gesagt?“ rief Dunja entsetzt aus. – „Hast du es gewagt, ihr zu sagen?“

„Nein, ich habe ihr nichts ... mit Worten gesagt, aber sie hat vieles begriffen. Sie hat in der Nacht gehört, wie du phantasiert hast. Ich bin überzeugt, daß sie die Hälfte schon versteht. Ich habe vielleicht schlecht daran getan, daß ich zu ihr ging. Ich weiß auch nicht mal, warum ich zu ihr hingegangen bin. Ich bin ein gemeiner Mensch, Dunja.“

„Du ein gemeiner Mensch und bist doch bereit, das Leiden auf dich zu nehmen! Du gehst doch um zu leiden?“