„Nein, warte du mal, jetzt will ich dir eine Frage vorlegen. Höre zu.“

„Nun!“

„Sieh, du redest jetzt und ereiferst dich, sage mir aber – würdest du selbst die Alte ermorden oder nicht?“

„Selbstverständlich nicht! Ich rede nur aus Gerechtigkeit ... Ich habe mit der Sache nichts zu tun ...“

„Meiner Meinung nach kann von Gerechtigkeit gar nicht die Rede sein, wenn du dich nicht selbst dazu entschließt. Komm, wir wollen noch eine Partie Billard spielen!“

Raskolnikoff war äußerst aufgeregt. Gewiß, das Gespräch war eins von den gewöhnlichsten Gesprächen und Gedanken, die er mehr als einmal unter jungen Leuten gehört hatte, vielleicht in einer anderen Form und über einen anderen Gegenstand. Warum aber kam er jetzt gerade dazu, dieses Gespräch und diese Gedanken zu hören, wo in seinem eigenen Kopfe ... ebensolche Gedanken aufgetaucht waren? Und warum stößt er gerade jetzt, wo in ihm dieser Gedanke auftauchte, als er die Alte verließ, auf ein Gespräch über dieselbe Alte? ... Ihm erschien dieses Zusammentreffen stets merkwürdig. Diese nichtssagende Unterhaltung in dem Wirtshause hatte auf ihn einen außergewöhnlichen Einfluß für die weitere Entwicklung der Sache, – als wäre hierbei tatsächlich eine Vorausbestimmung, ein Fingerzeig gewesen ...


Nach Hause zurückgekehrt, warf er sich auf das Sofa und blieb eine volle Stunde sitzen, ohne sich zu rühren. Es war inzwischen dunkel geworden; ein Licht besaß er nicht, es kam ihm gar nicht der Gedanke, ein Licht anzustecken. Er konnte sich später niemals erinnern, ob er in dieser Stunde an etwas gedacht hatte. Er spürte noch immer das Fieber von früher her und den Schüttelfrost, und es war ihm ein angenehmer Gedanke, daß er sich auf das Sofa hinlegen konnte. Ein fester bleierner Schlaf überfiel ihn und legte sich schwer auf ihn.

Er schlief ungewöhnlich lange und traumlos. Nastasja, die am nächsten Morgen um zehn Uhr in das Zimmer kam, konnte ihn nur mit Mühe aufwecken. Sie brachte ihm Tee und Brot, den Tee wie immer alt aufgegossen in ihrer eigenen Teekanne.

„Sieh, wie er schläft!“ rief sie entrüstet aus. „Er tut nichts wie schlafen!“