„Wie! Es ist schon drei!“
Er setzte sich – und da fiel ihm alles ein! Plötzlich fiel ihm alles ein!
Im ersten Augenblicke dachte er, er würde den Verstand verlieren. Eine furchtbare Kälte erfaßte ihn, aber die Kälte kam vom Fieber, das schon längst während des Traumzustandes angefangen hatte. Es packte ihn ein Schüttelfrost, daß die Zähne zusammenschlugen, und alles zitterte an ihm. Er öffnete die Türe und begann zu lauschen: im Hause schlief alles. Erschreckt betrachtete er sich selbst und alles ringsum im Zimmer und begriff nicht – wie konnte er nur gestern die Türe nicht zuhaken und sich nicht nur angekleidet, sondern sogar mit dem Hute auf den Diwan werfen; der Hut war ihm heruntergefallen und lag dort auf der Diele in der Nähe des Kissens.
„Wenn jemand gekommen wäre, was hätte er denken müssen? Daß ich betrunken, aber ...“
Er stürzte zum Fenster. Es war genügend hell und er besah sich schnell ganz vom Kopfe bis zu den Füßen, seine ganze Kleidung, ob nicht Spuren daran waren. Aber man konnte so nichts sehen; zitternd vor Frost, zog er alles aus und wieder betrachtete er es von allen Seiten. Er drehte alles um bis zum letzten Faden und Fetzen, und da er sich selber nicht traute, wiederholte er dreimal die Besichtigung. Aber er fand nichts, scheinbar keine Spur; nur an einer Stelle, wo die Hosen unten abgerieben und in Fransen hingen, waren an diesen Fransen dicke Flecken eingetrockneten Blutes. Er nahm ein großes Taschenmesser und schnitt die Fransen ab. Mehr schien es nicht zu sein. Da fiel ihm ein, daß der Beutel und die Sachen, die er aus der Truhe bei der Alten herausgenommen, sich noch immer in seinen Taschen befanden. Er hatte nicht mehr daran gedacht, sie herauszunehmen und zu verstecken. Nicht einmal jetzt sogar hatte er sich ihrer gleich erinnert, als er seine Kleider besah. War denn das möglich? Hastig nahm er sie heraus und warf sie auf den Tisch. Nachdem er alles herausgenommen und die Taschen umgekehrt hatte, um sich zu vergewissern, daß nichts übriggeblieben war, brachte er den ganzen Haufen in eine Ecke. Dort in der Ecke waren unten an einer Stelle die von der Wand losgelösten Tapeten zerrissen; sofort begann er alles in dieses Loch unter dem Papier hineinzustopfen.
„Es ist hineingegangen! Alles ist fort, sogar der Beutel!“ dachte er voller Freude, indem er aufstand und stumpf in die Ecke sah, auf das Loch, wo die Tapete jetzt weiter abstand.
Da schrak er wieder zusammen.
„Mein Gott,“ flüsterte er verzweifelt, „was ist mit mir? Ist denn das versteckt? Versteckt man das so?“
Natürlich hatte er mit solchen Gegenständen gar nicht gerechnet; er dachte, daß es nur Geld bei ihr geben würde und darum hatte er keinen Platz vorher ausgesucht.
„Aber jetzt, jetzt, worüber freute ich mich denn?“ dachte er. „Versteckt man denn so? In der Tat, der Verstand verläßt mich!“