„All das ist Vorurteil, alles ist nur wie man’s nimmt, all das sind nur Formen,“ dachte er einem flüchtigen Gedanken nach und zitterte dabei am ganzen Körper. „Ich habe ihn doch angezogen. Hab es fertig gebracht, ihn anzuziehen.“

Aber das Lachen verwandelte sich sogleich in Verzweiflung.

„Nein, das ist über meine Kräfte ...“ dachte er. Seine Füße zitterten.

„Aus Angst,“ murmelte er vor sich hin. Der Kopf schwindelte ihm und schmerzte vor Fieber.

„Eine List ist es! Sie wollen mich mit List hinlocken und mich plötzlich aus der Fassung bringen,“ fuhr er fort vor sich hinzumurmeln und ging auf die Treppe hinaus. „Das ist schlimm, daß ich fieberig bin ... ich kann irgendeine Dummheit machen ...“

Auf der Treppe besann er sich, daß er alle Sachen so in dem Loche unter der Tapete liegen ließ. „Und gerade jetzt konnte absichtlich in seiner Abwesenheit eine Haussuchung vorgenommen werden,“ fiel es ihm ein, und er blieb stehn. Aber solch eine Verzweiflung und solch ein, wenn man sich so ausdrücken darf, – Zynismus über seinen Untergang hatten ihn gepackt, daß er unbekümmert weiterging.

„Möge es bloß schnell vorbei sein! ...“ Auf der Straße war es wieder unerträglich heiß; kein Regentropfen in all diesen Tagen. Wieder gab es Staub von Ziegeln und Kalk, wieder den Gestank aus den Läden und Wirtshäusern, wieder tauchten alle Augenblicke Betrunkene, finnische Höcker und halbzerfallene Droschken auf. Die Sonne strahlte hell in seine Augen, so daß es ihm weh tat, und der Kopf schwindelte ihm, – das gewöhnliche Gefühl eines Fieberkranken, der plötzlich auf die Straße an einem heißen sonnigen Tage hinaustritt.

Als er um die Ecke in die gestrige Straße einbog, blickte er dorthin, auf jenes Haus voll qualvoller Unruhe ... und wendete sogleich die Augen ab.

„Wenn man mich frägt, werde ich es vielleicht sagen,“ dachte er, indem er sich dem Polizeibureau näherte.

Das Bureau war ein paar hundert Schritte von seinem Hause entfernt. Es war kürzlich in neuen Räumen in einem neuen Hause im vierten Stocke untergebracht worden. In dem alten Bureau war er einmal, aber vor längerer Zeit, gewesen. Als er in das Tor eintrat, erblickte er zur rechten Hand eine Treppe, von der ein Mann mit einem Buche in der Hand herunterkam. „Ein Bureaudiener also; folglich ist auch hier das Bureau,“ und er begann aufs Geratewohl die Treppe hinaufzusteigen. Er wollte niemanden um Auskunft fragen.