„Da wohnt er ja, in diesem Hause,“ dachte er. „Was ist denn das, bin ich etwa zu Rasumichin mit Willen gegangen? Es ist dieselbe Geschichte wie damals ... Es ist mir nun doch sehr interessant, – bin ich mit Absicht hierhergekommen oder lenkte das Schicksal meine Schritte. Es ist mir übrigens gleichgültig. Ich sagte mir ... vorgestern ... daß ich am andren Tage nach dem hingehen werde; na, ich werde es tun, was ist denn dabei! Als ob ich jetzt nicht zu ihm gehen könnte ...“
Er ging hinauf zu Rasumichin in das fünfte Stockwerk.
Rasumichin war in seinem Zimmerchen und mit Schreiben beschäftigt; er öffnete ihm selbst. Seit vier Monaten etwa hatten sie sich nicht gesehen. Rasumichin stak in einem zerfetzten abgetragenen Schlafrock, hatte Pantoffeln an den bloßen Füßen und saß ungekämmt, unrasiert und ungewaschen da. Auf seinem Gesichte zeigte sich großes Erstaunen.
„Was ist mit dir?“ rief er aus und betrachtete den eingetretenen Kameraden vom Kopf bis zu den Füßen. Dann schwieg er und tat einen leisen Pfiff.
„Steht es mit dir wirklich so schlecht? Ja, du hast sogar unsereinen übertroffen,“ fügte er hinzu und blickte auf Raskolnikoffs Lumpen. „Aber so setz’ dich doch, du bist wahrscheinlich müde!“
Und als dieser auf das türkische Sofa von Wachstuch hinsank, sah Rasumichin plötzlich, daß sein Besucher krank sei.
„Du bist ja ernstlich krank, weißt du das?“
Er begann seinen Puls zu fühlen, Raskolnikoff aber riß die Hand weg.
„Ist nicht nötig,“ sagte er, „ich bin gekommen ... die Sache ist – ich habe keine Stunden zu geben ... ich wollte ... übrigens, ich brauche keine Stunden ...“
„Weißt du was? Du phantasierst ja!“ bemerkte Rasumichin, der ihn aufmerksam beobachtete.