„Habe ich phantasiert?“

„Und ob? Du warst ja ganz ohne Bewußtsein.“

„Worüber habe ich phantasiert?“

„Nanu! Worüber du phantasiert hast? Es ist begreiflich, worüber man phantasiert ... Nun, Bruder, wir wollen jetzt keine Zeit mehr verlieren, zur Arbeit.“

Er stand vom Stuhle auf und nahm seine Mütze.

„Worüber habe ich phantasiert?“

„Er läßt nicht davon. Hast du Angst vor einem Geheimnis? Sei ruhig, von – einer Gräfin wurde nichts geredet. Aber von einer Bulldogge, von Ohrgehängen und von allerhand Ketten, von der Krestowski-Insel und von einem Hausknecht, von Nikodim Fomitsch und von Ilja Petrowitsch, seinem Gehilfen hast du viel gesprochen. Ja, und außerdem geruhtest du dich sogar sehr für deinen Strumpf zu interessieren. Klagtest: ‚Gebt ihn,‘ sagtest du, ‚bitte‘. Sametoff suchte in eigener Person in allen Winkeln deine Strümpfe zusammen und überreichte dir den Schund mit seinen parfümierten und mit Ringen besetzten Händen. Dann erst beruhigtest du dich und hieltest diesen Schund Tag und Nacht in den Händen, man konnte es dir nicht wegnehmen. Wahrscheinlich liegt er auch jetzt irgendwo unter deiner Decke. Und dann batest du um Fransen von den Hosen, du batest mit Tränen darum. Wir versuchten zu erfahren, was für Fransen du wünschtest? Aber man konnte nichts verstehen ... Nun, an die Arbeit. Hier sind fünfunddreißig Rubel, ich nehme zehn davon, und nach ein paar Stunden werde ich Rechenschaft darüber abgeben. Unterdessen will ich Sossimoff benachrichtigen, obwohl er ohnedem längst hier sein müßte, denn es geht auf zwölf. Sie aber, Nastasja, sehen öfters nach, während ich fort bin, und sorgen für ein Getränk oder etwas anderes, was er wünschen sollte ... Und der lieben Praskovja werde ich selbst gleich sagen, was nötig ist. Auf Wiedersehen!“

„Liebe Praskovja nennt er sie! Ach, du schlauer Kerl!“ – sagte Nastasja hinter ihm drein.

Dann öffnete sie die Tür und begann zu horchen, aber sie hielt es nicht aus und lief hinunter. Es interessierte sie doch zu sehr, was er mit der Wirtin sprach; überhaupt konnte man sehen, daß sie von Rasumichin ganz bezaubert war.

Kaum schloß sich die Tür hinter ihr, als der Kranke die Decke von sich warf und wie wahnsinnig aus dem Bette sprang. Mit brennender, krampfhafter Ungeduld hatte er gewartet, daß sie schneller fortgehen würden, um sofort etwas zu tun. Aber was denn, was wollte er tun? – ihm schien es, als mußte es so sein, jetzt vergessen zu haben.