In einem Briefe ohne Datum – vermutlich im Frühjahr 1847 geschrieben – schreibt er an den Rand: „Es ist nun schon das dritte Jahr meiner literarischen Tätigkeit, und ich bin wie im Rausche. Ich sehe das Leben um mich herum gar nicht, habe keine Zeit, zur Besinnung zu kommen; ich habe auch keine Zeit, um etwas zu lernen ... Sie haben mir einen zweifelhaften Ruhm geschaffen, und ich weiß nicht, wie lange noch diese Hölle, diese Armut und die vielen eiligen Arbeiten dauern werden; o könnte ich einmal Ruhe haben!!“

Eine Schuld, die er Maikoffs nicht wiedergeben kann, quält ihn, „obgleich sie mich nicht daran erinnern“. Im Herbst hofft er nach dem beendeten Roman „Njetotschka Neswanowa“ von Krajewski 1000 Rubel als unbefristeten Vorschuß zu erhalten. Njekrassoff und die anderen vom „Zeitgenossen“ wollten ihn schon endgültig begraben – um so mehr werde sie dieser Roman verblüffen. In diesem Briefe denkt er auch wieder an Übersetzungen, doch – „in zehn Jahren wird man nicht mehr an sie zu denken brauchen“.

In dem Briefe erwähnt er zum erstenmal die Familie Maikoff. Nach den Aufzeichnungen S. D. Janowskis versammelten sich im Hause des bekannten Malers Nikolai Apollonowitsch Maikoff an jedem Sonntagabend „jene jungen Leute, die von Gott mit einer gewissen Dosis Begabung ausgestattet waren, deren Herz von Geburt an in Liebe zum Nächsten, zum Guten und zur Wahrheit brannte und deren Verstand in allem und überall Licht und nur Licht suchte. Neben dem Hausherrn und seiner Gattin Jewgenia Petrowna nahm den ersten Platz in diesem Kreise der an Jahren bereits etwas ältere I. A. Gontscharoff ein. Außer ihm erschienen gewöhnlich S. S. Dudyschkin (der Kritiker der ‚Vaterländischen Annalen‘ nach Bjelinskis Tode) und Walerian Maikoff[25], die Brüder Drushinin, der Dichter M. A. Jasykoff u. a.“

In diesem Kreise geschah es nun nicht selten, daß Fjodor Michailowitsch „mit der ihm eigenen bis ins Kleinste eindringenden Analyse die Charaktere der Werke Gogols und Turgenjeffs auseinandersetzte und dann auch seinen ‚Herrn Prochartschin‘ erklärte, der damals den meisten Lesern unverständlich blieb, bis schließlich alle Zuhörer nicht nur die an und für sich vollendeten Charaktere begriffen, sondern auch die Beziehung jeder kleinsten Einzelheit zu diesem oder jenem Charakter erkennen lernten“.

Mit dem Sohn des Hausherrn, dem bekannten Dichter A. Maikoff[26], hat Dostojewski in späteren Jahren einen umfangreichen Briefwechsel geführt.

Doch außer diesen Sonntagabenden bei Maikoffs gab es in jener Zeit noch andere Kreise, die sich gleichfalls an bestimmten Tagen versammelten, und die von Fjodor Michailowitsch mit nicht minderem Eifer besucht wurden.

Über seinen Verkehr in diesen Kreisen geben uns seine Briefe an den Bruder gar keinen Aufschluß. Der Briefwechsel weist hier eine große Lücke auf. Der letzte aus dieser Zeit noch vorhandene Brief Fjodor Michailowitschs an den Bruder nimmt Bezug auf Michail Michailowitschs Absicht, den Dienst zu quittieren. Er rät dem Bruder, nicht auf diejenigen zu hören, die ihm davon abraten, und sich nicht dadurch abschrecken zu lassen, daß ihm, Fjodor Michailowitsch, „der erste Pfannkuchen mißriet“ ... „Warte nur, Bruder, wir werden uns schon durchschlagen ... es ist doch unmöglich, daß wir beide nicht auf den Weg kämen ...“. Er erwähnt auch sein jüngstes Werk, das er soeben beende, sagt, daß er keine Zeit habe, den Roman „Arme Leute“ in Buchform herauszugeben, obgleich er es durch eine Druckerei auf Kredit würde machen können. „Wie schade, daß du Schillers Dramen nicht zu Ende übersetzt hast.“ Eine Randbemerkung lautet: „Erkennst du nun, was Zusammenschluß bedeutet? Wenn wir jeder für sich arbeiteten – würden wir fallen ... Aber beide zusammen und für ein gemeinsames Ziel – das ist etwas ganz anderes.“

Inzwischen bereiteten sich im Leben Fjodor Michailowitschs mehr und mehr die Ereignisse vor, denen bestimmt war, in diesem Leben eine entscheidende Erschütterung hervorzurufen.

Die Katastrophe.

In den „Hellen Nächten“[27] finden wir die folgende Schilderung: