„Nichts, nichts vergesse ich, gehen wir! Hier, diese prachtvolle Treppe geht’s hinauf. Ich wundere mich nur, daß der Schweizer[9] nicht zu sehen ist ... Richtig, es ist ja heut Feiertag, da kann auch er sich einmal fortbegeben haben. Er ist übrigens ein alter Trinker, den man eigentlich schon längst hätte vor die Tür setzen müssen. Dieser Ssokolowitsch verdankt sein ganzes Lebensglück und seine ganze Karriere einzig mir, mir allein und keinem anderen, aber ... doch da sind wir ja schon.“

Der Fürst versuchte nichts mehr dagegen einzuwenden und folgte ergeben dem General, um ihn nicht zu reizen. Er war fest überzeugt, daß der General Ssokolowitsch mit seiner ganzen Familie alsbald wie eine Fata morgana verschwinden und sich als nie dagewesen erweisen werde, und daß ihnen somit nichts Schlimmes begegnen könne; und dann würden sie die Treppe wieder hinuntersteigen. Doch zu seinem Entsetzen mußte er diese Überzeugung bald aufgeben; denn der General stieg die Treppen mit einer Sicherheit hinauf, als habe er tatsächlich alte Bekannte in diesem Hause, und zwischendurch erzählte er noch die verschiedensten biographischen und topographischen Einzelheiten mit wahrhaft erdrückender, nahezu mathematischer Genauigkeit. Als sie dann schließlich im ersten Stock anlangten und der General bereits an der Tür einer hochvornehmen Wohnung die Hand nach dem Klingelzuge ausstreckte, beschloß der Fürst, sogleich zurückzugehen ... doch da fiel ihm plötzlich etwas auf:

„Sie haben sich geirrt, General,“ sagte er schnell, „hier an der Tür steht Kulakoff, und Sie wollen doch zu Ssokolowitsch!“

„Kulakoff ... Kulakoff beweist noch nichts. Die Wohnung hat Ssokolowitsch inne, und ich klingle bei Ssokolowitsch, zum Teufel mit Kulakoff ... Da kommt man schon!“

Die Tür wurde von einem Diener geöffnet, der sie fragend ansah und dann meldete, daß die Herrschaft nicht zu Hause sei.

„Wie schade, oh, wie schade, das ist ja wie vorherbestimmt!“ wiederholte Ardalion Alexandrowitsch mehrmals mit tiefstem Bedauern. „Dann melden Sie, daß General Iwolgin und Fürst Myschkin ihre Aufwartung zu machen wünschten und unendlich, unendlich bedauerten ...“

Durch die offene Zimmertür blickte plötzlich das Gesicht einer Haushälterin oder Gouvernante, eines etwa vierzigjährigen Frauenzimmers in einem dunklen Kleide. Neugierig und doch mißtrauisch näherte sie sich, als sie die Namen General Iwolgin und Fürst Myschkin hörte.

„Marja Alexandrowna ist nicht zu Hause,“ sagte sie mit kritischem Blick auf den General, „sie ist mit dem Fräulein, mit Alexandra Michailowna, zur Großmutter gefahren.“

„So ist auch Alexandra Michailowna nicht zu sprechen? O Gott, welches Pech! Und das passiert mir wirklich jedesmal! Haben Sie die Güte, meinen ergebensten Gruß zu bestellen, und Alexandra Michailowna sagen Sie, daß sie nicht vergessen soll ... mit einem Wort, sagen Sie ihr, daß ich ihr von Herzen die Erfüllung dessen wünsche, was sie sich Donnerstag abend bei den Klängen der Chopinschen Ballade gewünscht hat. Sie wird es schon selbst wissen ... Also meinen herzlichsten Gruß! General Iwolgin und Fürst Myschkin!“

„Schön, ich werde es ausrichten,“ sagte die Person, die etwas Zutrauen gefaßt hatte, mit einer leichten Verbeugung.