„Das auseinanderzusetzen hatte ich bereits das vorigemal die Ehre, doch für Eure Exzellenz will ich es nochmals wiederholen. Also, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit, Exzellenz: alle Menschen sind geistreich, nur ich allein bin es nicht. Als Schadenersatz habe ich dafür die Erlaubnis erhalten, die Wahrheit zu sagen, da doch bekanntlich nur jene die Wahrheit sagen, die nicht gerade – nun, wie gesagt, geistreich sind. Zudem bin ich ein äußerst rachsüchtiger Mensch, und das natürlich gleichfalls nur aus Mangel an Geist. Ich nehme jede Beleidigung ruhig hin, doch – wohlgemerkt! – nur bis zum ersten Mißerfolge des Beleidigers. Bei seiner ersten Niederlage entsinne ich mich unverzüglich alles dessen, was er auf dem Kerbholz hat, und zahle es ihm prompt auf irgendeine Weise heim – schlage mit den Hinterbeinen aus, wie Iwan Petrowitsch Ptizyn es nennt, der, versteht sich, selbst niemals hinten ausschlägt. Kennen Eure Exzellenz vielleicht Kryloffs Fabel vom Löwen und vom Esel? Nun, sehen Sie, die ist wie auf uns gedichtet, tatsächlich, das sind Sie und ich.“
„Sie scheinen ja wieder mal in Ihr unleidliches Faseln hineingekommen zu sein, Ferdyschtschenko,“ entgegnete der General gereizt und grob.
„Aber was haben Sie denn dagegen einzuwenden, Exzellenz?“ griff Ferdyschtschenko schnell auf, ganz als hätte er nur auf diesen Einwand gewartet. „Beunruhigen Sie sich nicht, Exzellenz, ich kenne sehr wohl den Platz, der mir zukommt: der Löwe sind natürlich Sie, Exzellenz:
– Der grimme Leu, des Waldes Schrecken,
Ward mit den Jahren altersschwach –
Und ich, Exzellenz, bin selbstverständlich der Esel ...“
„Mit letzterem bin ich vollkommen einverstanden,“ platzte der General unvorsichtig genug heraus.
Diese ganze Plänkelei wurde natürlich mit Absicht von Ferdyschtschenko in die Länge gezogen: obwohl er nicht geistreich zu sein verstand, wurde ihm doch vieles erlaubt, da er nun einmal offiziell den Narren spielte.
„Aber ich werde ja doch nur deshalb hier empfangen, damit ich gerade in diesem Genre zur allgemeinen Heiterkeit beitrage!“ hatte Ferdyschtschenko einmal lachend erklärt. „Wie wäre es denn sonst möglich, mich zu empfangen? – Das begreife ich doch selbst! Aber ja doch! Wie könnte man mich denn im Ernst, mich, Ferdyschtschenko, neben einen so ästhetisch-delikaten Gentleman wie Afanassij Iwanowitsch Tozkij setzen? Da bleibt einem doch nur die eine Erklärung übrig: eben weil es unmöglich ist, wird es getan!“
Ferdyschtschenko konnte in seinen Späßen sehr plump, bisweilen aber auch sehr bissig sein, und bisweilen sogar noch mehr als bissig. Das aber war es gerade, was Nastassja Filippowna zu gefallen schien. Daher mußte auch ein jeder, der mit ihr verkehren wollte, Ferdyschtschenkos Anwesenheit in den Kauf nehmen. Er traf vielleicht den Nagel auf den Kopf, wenn er sich sagte, daß er nur deshalb empfangen wurde, weil er gleich bei seinem ersten Besuch für Tozkij „unmöglich“ geworden war. Auch Ganjä mußte unendliche Qualen von ihm erdulden; und in der Beziehung kam Ferdyschtschenko Nastassja Filippowna sogar sehr zustatten.