„Und danach zu urteilen, daß der Fürst bei diesem harmlosen Scherz wie ein unschuldiges, junges Mädchen errötet, muß er ja – wenigstens glaube ich, das annehmen zu dürfen – als edler Jüngling nur die edelsten Absichten in seinem Herzen hegen,“ sagte, oder richtiger, kaute mit seinem zahnlosen Munde der bis dahin stumme siebzigjährige kleine Lehrer, von dem ein jeder alles andere eher erwartet hätte, als daß er an diesem Abend überhaupt ein Wort hervorbringen würde.
Die Bemerkung des Greises rief noch größere Heiterkeit hervor, und er selbst begann in dem Glauben, daß sein Witz die Ursache des Gelächters sei, noch lauter als die anderen zu lachen – bis er einen so heftigen Hustenanfall bekam, daß Nastassja Filippowna, die für alte Originale, Greise und sogar Schwachsinnige eine besondere Vorliebe besaß, den Alten zu streicheln begann, ihn küßte und ihm Tee bringen ließ. Von der eintretenden Zofe ließ sie sich einen Schal bringen, in den sie sich dann fröstelnd einhüllte. Darauf mußte das Mädchen noch Holzscheite in den Kamin legen. Auf ihre Frage, wieviel Uhr es sei, antwortete das Mädchen, daß es schon halb elf geschlagen habe.
„Meine Herren, wollen Sie nicht Champagner trinken?“ fragte plötzlich Nastassja Filippowna. „Er ist bereits kalt gestellt. Vielleicht wird es dann lustiger werden. Also ganz ohne Zeremonien, wenn ich bitten darf.“
Diese Aufforderung, zu trinken, die noch dazu so naiv ausgesprochen wurde, erschien den Anwesenden sehr sonderbar von Nastassja Filippowna. Und überhaupt wurde der Abend diesmal noch ungezwungener, als es die Gäste sonst bei ihr gewöhnt waren. Doch gegen den Champagner hatte niemand etwas einzuwenden, wenigstens was den General, die lebhafte Dame, den alten Lehrer und Ferdyschtschenko betraf. Und ihrem Beispiel folgten auch die anderen. Tozkij nahm gleichfalls einen der Kelche und bemühte sich, dem neueingeführten Ton nach Möglichkeit den Charakter eines unbefangenen Scherzens zu geben. Nur Ganjä trank nicht. Nastassja Filippowna dagegen erklärte, daß sie mindestens drei Glas trinken würde. Es war sehr schwer, aus ihrem oft grundlosen, verlorenen Lachen, das bald ernster Nachdenklichkeit und finsterem Schweigen wich, um dann von neuem in nervöser Heiterkeit hervorzubrechen, klug zu werden oder gar aus ihm zu erraten, was sie für Absichten hegte. Es fiel mit der Zeit auf, daß sie gleichsam etwas erwartete, häufig nach der Uhr sah, immer ungeduldiger wurde und sehr zerstreut war.
„Bei Ihnen scheint ja eine richtige kleine Influenza im Anzuge zu sein, meine Liebe?“ fragte die lebhafte Dame.
„Oh, eine sehr große sogar, nicht nur eine kleine,“ entgegnete, den Schal fester um die Schultern ziehend, Nastassja Filippowna, die merklich bleicher wurde und zuweilen sich krampfhaft zusammenzunehmen schien, damit die anderen nicht merkten, wie der Schüttelfrost sie zittern machte.
Alle wurden unruhig und sahen einander fragend an; es ging eine Bewegung durch die ganze Versammlung.
„Oder sollten wir Nastassja Filippowna nicht Ruhe gönnen?“ fragte Tozkij mit einem Blick auf Jepantschin.
„Oh, nein, nein! auf keinen Fall! Ich bitte Sie alle, bei mir zu bleiben,“ rief sie lebhaft. „Ihre Anwesenheit ist mir heute unentbehrlich,“ fügte sie plötzlich noch eigensinniger und recht vielsagend hinzu.
Da nun fast alle Gäste wußten, daß an diesem Abend eine wichtige Entscheidung bevorstand, so fielen diese ihre Worte schwer ins Gewicht. Der General und Tozkij tauschten nochmals einen bedeutsamen Blick aus. Ganjä machte eine hastige Bewegung.