Doch Ganjä hatte an diesem Tage und Abend schon gar zuviel ausgehalten. Auf diese letzte, unerwartete Folter war er nicht vorbereitet. Das Gedränge teilte sich vor ihm in zwei Hälften, es bildete sich eine Gasse zwischen ihnen, und Ganjä stand drei Schritte von Nastassja Filippowna, Auge in Auge ihr gegenüber. Sie stand am Kamin und wartete und sah ihn mit flammendem, unverwandtem Blick an. Ganjä stand schweigend mit gekreuzten Armen, im Frack, den Hut und die Handschuhe in der Hand, vor ihr, ohne sich zu rühren, und sah starr ins Feuer. Ein sinnloses, irres Lächeln huschte über sein Gesicht, das so bleich war wie eine weißgetünchte Wand. Zwar konnte er den Blick nicht losreißen von dem glimmenden Päckchen, doch schien sich plötzlich etwas Neues in seiner Seele erhoben zu haben: es war, als hätte er sich geschworen, die Folter auszuhalten. Er rührte sich nicht: nach ein paar Augenblicken wurde es allen klar, daß er nicht nach dem Geldpaket greifen würde, daß er es nicht wollte!!!

„Ei, sie verbrennen, die Hunderttausend!“ schrie ihm Nastassja Filippowna zu. „Du wirst dich ja später erhängen, wenn du sie nicht nimmst! Ich scherze nicht!“

Das Feuer war zuerst zwischen den zwei glimmenden Holzscheiten fast erloschen, als das Geldpaket darauf niedergefallen war. Nur ein kleines blaues Flämmchen züngelte noch am unteren Rande des einen Holzscheits. Allmählich kroch es weiter, bis es die eine Ecke des Päckchens zu belecken begann; das Feuer blieb haften und schlängelte sich dann als schmale, dünne Zunge von der Ecke hinauf, lief von der oberen Ecke wieder am Rande weiter und plötzlich umschlang es das ganze Paket, und eine helle Flamme schlug flackernd nach oben, zugleich einen Feuerschein ins Zimmer werfend.

„Mütterchen!“ schrie Lebedeff und wieder wollte er auf den Knien zum Kamin kriechen, doch da zog ihn Rogoshin fort und stieß ihn zur Seite. Rogoshin selbst war nichts als ein einziges glühendes Augenpaar, sein ganzes Ich lag in seinem Blick, der wie gebannt immer wieder zu Nastassja Filippowna zurückkehrte, – er war berauscht, war trunken, war über der Erde!

„Das, ja, das ist eine Königin!“ rief er begeistert aus, sich an alle und an jeden wendend, gleichviel an wen. „Das, das ist nach unserer Art!“ stieß er wie besinnungslos hervor. „Nun, wer von euch, ihr Gauner allesamt, brächte so was fertig! was?!“

Der Fürst war der einzige, der schweigend beobachtete. Sein Gesicht war ernst und in seinen Augen lag Trauer.

„Ich zieh’ es mit den Zähnen heraus, auch nur für einen einzigen grauen Lappen!“ erbot sich Ferdyschtschenko.

„Ich auch!“ knirschte im Hintergrunde der Faustmensch, wahrscheinlich in einem Anfall entschiedener Verzweiflung. „T–teufel noch eins! Es brennt, alles brennt!“ schrie er laut auf, als er die Flamme emporschlagen sah.

„Es brennt, es brennt!“ schrien alle wie aus einem Munde, und ein wildes Drängen zum Kamin hub an.

„Ganjä, zier’ dich nicht, ich sage es zum letztenmal!“