„Ich werde es Ihnen sagen, wo Koljä ist,“ rief der junge Mann.
„Ni–ni–nicht doch!“ fuhr Lebedeff entsetzt dazwischen.
„Koljä hat hier übernachtet, und am Morgen begab er sich auf die Suche nach seinem General, den Sie, Fürst, aus dem Schuldgefängnis ausgekauft haben, wozu und weshalb, mag Gott wissen. Der General aber versprach gestern noch, zur Nacht herzukommen, ist aber bis jetzt noch nicht erschienen. Es ist anzunehmen, daß er im Gasthaus ‚Zur Wage‘ die Nacht verbracht hat. Koljä wird also entweder dort sein – das ist hier in nächster Nähe – oder in Pawlowsk bei Jepantschins. Geld hatte er und hinfahren wollte er schon gestern. Also entweder in der ‚Wage‘ oder in Pawlowsk.“
„In Pawlowsk, in Pawlowsk, versteht sich! ... Wir aber, wir aber wollen ins Gärtchen gehen, hier, hier, wenn ich bitten darf, und ... ein Täßchen Kaffee zu uns nehmen ...“
Lebedeff hatte den Fürsten schon am Ärmel gefaßt und zog ihn fort. Sie traten aus dem Hause, gingen über den kleinen Hof und gelangten zu einem Gartenpförtchen, das Lebedeff aufschloß. Vor ihnen lag ein sehr netter, wenn auch nur sehr kleiner Garten, dessen Bäume dank dem warmen Wetter schon hellgrüne Blätter hatten. Lebedeff führte den Fürsten zu einer grünen Bank, vor der auf einem eingerammten Pfosten ein gleichfalls grün angestrichener Tisch stand. Er bat den Fürsten, Platz zu nehmen, und setzte sich selbst ihm gegenüber. Eine Minute später wurde auch schon der Kaffee gebracht. Der Fürst lehnte nicht ab. Lebedeff fuhr fort, ihn mit ergebenen, doch gierig-neugierigen Blicken zu betrachten.
„Ich wußte es gar nicht, daß Sie ein hübsches Grundstück besitzen,“ sagte der Fürst in dem Tone eines Menschen, der an etwas ganz anderes denkt, nicht aber an das, was er spricht.
„W–waisen ...“ stotterte Lebedeff erschrocken, brachte aber nichts mehr hervor, als das eine Wort, da ihm Schweigen ratsamer erschien.
Der Fürst blickte zerstreut vor sich hin und hatte seine Frage natürlich schon längst vergessen. Das Schweigen dauerte eine ganze Weile. Lebedeff beobachtete ihn und wartete.
„Nun, was?“ sagte der Fürst, gleichsam erwachend. „Ach so! Ja, Sie wissen es doch selbst, Lebedeff, um was es sich handelt. Ich bin auf Ihren Brief hin gekommen. Also reden Sie.“
Lebedeff senkte ganz verwirrt den Blick, wollte etwas sagen, schloß aber wieder den Mund, ohne eine Silbe hervorgebracht zu haben. Der Fürst wartete und ein trauriges Lächeln glitt über sein Gesicht.