Mit bitterem Spottlächeln hörte Rogoshin den Fürsten an. Seine Überzeugung schien schon unerschütterlich festzustehen.

„Wie schwer dein Blick ist, mit dem du mich ansiehst, Parfen!“ stieß plötzlich der Fürst unter einem erdrückenden Gefühl hervor.

„Ins Wasser oder unter das Messer!“ sprach Rogoshin endlich langsam nach. „He–he! Ja, einzig deshalb nimmt sie mich doch, weil sie überzeugt ist, daß sie bei mir der Dolch erwartet! Solltest du denn bis jetzt wahrhaftig noch nicht erraten haben, Fürst, um was es sich hier handelt?“

„Ich verstehe dich nicht.“

„Was, vielleicht begreift er’s auch wahrhaftig nicht, he–he! Sagt man doch von dir, daß du ... nun, jenes! ... Einen anderen liebt sie! – begreifst du’s jetzt? Ganz so, wie ich sie jetzt liebe, genau so liebt sie jetzt einen anderen. Und dieser andere ist – weißt du, wer? Das bist du! Was, wußtest du das noch nicht?“

„Ich?“

„Ja, du. Sie hat sich gleich damals, damals an ihrem Geburtstage in dich verliebt – und seit der Stunde liebt sie dich. Nur glaubt sie jetzt, daß sie dich nicht heiraten darf, weil sie dir damit eine Schande antun und dein Leben verderben würde. ‚Man weiß ja doch, was für eine ich bin,‘ sagte sie. Und davon ist sie nicht abzubringen. Alles das hat sie mir selbst ins Gesicht gesagt. Dich zu verderben und dir Schande anzutun – das fürchtet sie, mich aber, siehst du, mich kann man heiraten, bei mir macht’s nichts aus – sieh, so hoch schätzt sie mich ein! – das kannst du dir gleichfalls merken!“

„Aber wie ist sie denn ... wie ist sie denn von dir zu mir und ... von mir wieder ...“

„Von dir wieder zu mir zurückgekehrt! Haha! Als ob ihr wenig in den Kopf kommt! Sie ist ja doch jetzt ganz wie im Fieber, wie im Delirium. Bald schreit sie mir zu: ‚Dich heiraten oder ins Wasser – ist eins! Die Hochzeit so schnell wie möglich!‘ sie drängt selbst, bestimmt den Tag, rückt aber die Zeit heran, dann – erschrickt sie, oder es kommen ihr andere Gedanken. Gott weiß – du hast sie doch gesehen: weint, lacht, gebärdet sich wie in Raserei. Was Wunder, wenn sie da auch von dir wieder fortgelaufen ist? Sie ist ja doch nur deshalb von dir fortgelaufen, weil es ihr plötzlich zum Bewußtsein kam, wie sehr sie dich liebt. Sie hielt bei dir ihre eigene Liebe zu dir nicht mehr aus. Du sagtest, ich hätte sie damals in Moskau aufgesucht. Das ist ja gar nicht wahr – sie selbst kam von dir zu mir gelaufen. ‚Bestimme den Tag,‘ sagte sie, ‚ich bin bereit! Gib Champagner her! Fahren wir zu den Zigeunerinnen!‘ schrie sie ... Wäre ich nicht gewesen, so hätte sie sich schon längst ertränkt. Glaube mir! Nur deshalb tut sie es nicht, weil ich vielleicht noch furchtbarer bin als der Tod im Wasser. Nur aus Bosheit will sie mich heiraten ... Wenn sie mich heiratet, so kannst du sicher sein, daß sie es nur aus Bosheit tut.“

„Ja, aber wie kannst du dann ... wie kannst du dann! ...“ rief der Fürst ganz bestürzt aus, doch sprach er nicht zu Ende, was er sagen wollte.