IV.
Sie gingen durch dieselben Zimmer, durch die der Fürst bereits gekommen war. Rogoshin ging voran und der Fürst folgte ihm. Sie kamen in den großen Saal. Hier hingen an den Wänden mehrere Gemälde, meistens waren es Porträts von Bischöfen und stark nachgedunkelte Landschaften, deren Einzelheiten kaum noch zu erkennen waren. Über der Tür zum folgenden Zimmer hing ein Bild von sehr sonderbarem Format: es war ungefähr zwei Meter lang und nicht mehr als sechs Zoll hoch. Es war die Darstellung einer Kreuzabnahme. Der Fürst blickte flüchtig darauf hin, und es war ihm, als entsänne er sich eines ähnlichen oder auch desselben Bildes, blieb aber weiter nicht davor stehen, sondern wollte durch die Tür hinaustreten. Es war ihm sehr schwer zumute, und er wollte schnell aus diesem Hause hinaus. Da blieb plötzlich Rogoshin in der Tür stehen und trat wieder einen Schritt zurück.
„Alle diese Bilder hier,“ sagte er, „alle sind sie für einen oder für zwei Rubel von meinem Vater auf Auktionen erstanden, er liebte Bilder sehr. Ein Kenner hat sie sich hier einmal alle angesehen; taugen nichts, sagte er, dieses aber, sagte er, dieses hier über der Tür, das gleichfalls für zwei Rubel erstanden ist – dieses, sagte er, sei von großem Wert. Schon damals fand sich einer, der für das Bild dreihundertfünfzig Rubel bot, Ssaweljeff aber, Iwan Dmitritsch – das ist ein Kaufmann, ein großer Bilderliebhaber – der bot dem Verstorbenen vierhundert, und in der vorigen Woche hat er meinem Bruder Ssemjon Ssemjonytsch sogar fünfhundert geboten. Ich hab’s für mich behalten.“
„Das ist ... das ist die Kopie einer Kreuzabnahme von Hans Holbein,“ sagte der Fürst, das Bild jetzt aufmerksamer betrachtend. „Ich bin zwar kein großer Kenner, aber wie mir scheint, ist es eine vorzügliche Kopie. Ich habe das Original im Auslande gesehen, und seitdem kann ich dieses Bild nicht mehr vergessen. Aber ... was hast du ...“
Rogoshin hatte sich plötzlich wieder abgewandt und ging bereits durch die Tür, um den Fürsten dem Ausgang zuzuführen. Freilich konnten seine Zerstreutheit und seine seltsam gereizte Stimmung diese Plötzlichkeit sehr wohl erklären; doch trotzdem wunderte es den Fürsten, daß Rogoshin so schnell das Gespräch abgebrochen, das er doch selbst begonnen hatte, und seine Bemerkung nicht zu beachten schien.
„Aber wie nun, Lew Nikolajewitsch, ich wollte dich schon lange fragen, glaubst du an Gott?“ fragte plötzlich Rogoshin, nachdem sie ein paar Schritte gegangen waren.
„Wie sonderbar du fragst und ... mich ansiehst!“ sagte der Fürst unwillkürlich.
„Auf dieses Bild da liebe ich zu sehen,“ sagte Rogoshin nach kurzem Schweigen, als hätte er seine Frage vergessen.
„Auf dieses Bild!“ rief der Fürst unter dem Eindruck eines plötzlichen Gedankens ganz erschrocken aus, „auf dieses Bild! Aber vor diesem Bilde kann einem ja doch nur noch jeder Glaube vergehen!“
„Der vergeht auch ohnedem,“ sagte Rogoshin ganz unerwartet.