Und er öffnete die Tür, die zu seiner Wohnung führte.

„Aber so laß mich dich doch zum Abschied wenigstens umarmen, du sonderbarer Mensch!“ rief der Fürst aus, indem er ihn mit liebevollem Vorwurf anblickte, und er näherte sich ihm.

Doch Parfen hatte kaum die Hände erhoben, als er sie auch schon wieder sinken ließ. Er konnte sich nicht entschließen, er wandte sich von ihm ab, um ihn nicht ansehen zu müssen. Er wollte ihn nicht umarmen.

„Hab’ keine Angst! Ich habe wohl von dir dein Kreuz genommen, aber wegen einer Taschenuhr werde ich dich doch nicht ermorden!“ brummte er undeutlich und lachte dann ganz eigentümlich auf.

Doch plötzlich veränderte sich sein ganzes Gesicht: er erbleichte unheimlich, seine Lippen erzitterten und seine Augen wurden dunkel und flammten auf. Er erhob die Arme, umarmte den Fürsten krampfhaft und stieß, vor Erregung ganz atemlos, hervor:

„So nimm sie denn, wenn’s das Schicksal so will! Sie sei dein! Ich lasse sie dir! ... Gedenke Rogoshins!“

Und hastig verließ er den Fürsten, ohne ihn anzusehen, und trat durch die Tür, die er krachend hinter sich zuschlug.

V.

Es war schon ziemlich spät, fast halb drei Uhr nachmittags, und so traf der Fürst den General nicht mehr in seiner Stadtwohnung an. Er hinterließ seine Visitenkarte und begab sich hierauf in den Gasthof „Zur Wage“, um dort mit Koljä zu sprechen oder, falls er auch ihn nicht antreffen sollte, ein paar Worte an ihn zu schreiben, die er dann bei seiner Rückkunft vorfinden würde. Im Gasthof wurde ihm aber auf seine Frage mitgeteilt, daß Nikolai Ardalionytsch Iwolgin bereits am Morgen ausgegangen sei; doch habe er vor dem Fortgehen hinterlassen, für den Fall, daß jemand nach ihm fragen sollte, daß er um drei Uhr vielleicht zurückkehren werde; wenn er aber bis halb vier noch nicht erschienen sein sollte, so bedeute das, daß er mit der Bahn nach Pawlowsk gefahren sei, und dann würde er auch wohl bis zum Abend dort bleiben. Der Fürst beschloß, bis halb vier zu warten, und ließ sich die Speisekarte geben, um inzwischen zu Mittag zu speisen.

Die Uhr schlug halb vier und schlug vier, doch Koljä kam nicht. Der Fürst trat auf die Straße hinaus und ging mechanisch weiter. Es gibt bisweilen zu Anfang des Sommers wundervolle Tage in Petersburg, die Luft ist dann so hell, warm und still. Ein solcher Tag war es gerade jetzt. Der Fürst schlenderte eine gute Weile ziellos umher. Die Stadt war ihm wenig bekannt. An den Straßenkreuzungen, vor einzelnen Häusern, auf Plätzen und Brücken blieb er stehen; einmal setzte er sich in eine Konditorei, um etwas auszuruhen. Hin und wieder begann er auch mit großem Interesse die Vorübergehenden zu betrachten; doch am häufigsten sah er weder diese, noch bemerkte er überhaupt, wo er sich befand. Er fühlte sich in qualvoll gespannter und unruhiger Stimmung, und gleichzeitig empfand er ein unbezwingbares Bedürfnis nach Einsamkeit. Er wollte allein sein, um sich dieser ganzen, quälenden Stimmung völlig passiv hingeben zu können, ohne auch nur den geringsten Ausweg aus ihr zu suchen. Ihn ekelte vor all diesen Fragen, die plötzlich seine Seele und sein Herz bestürmten. „Wie denn, bin ich denn schuld an alledem?“ murmelte er halb unbewußt vor sich hin.