„Ja, aber was habe ich denn verbrochen?“ fragte Koljä lachend. „Selbst wenn ich Ihnen auch noch so überzeugend versichert hätte, daß der Fürst fast schon gesund sei, Sie hätten es mir doch nicht glauben wollen; denn ihn sich als Sterbenden vorzustellen, war doch unvergleichlich interessanter.“

„Wirst du lange hierbleiben?“ wandte sich Lisaweta Prokofjewna brüsk an den Fürsten.

„Den ganzen Sommer und vielleicht noch länger.“

„Du bist doch allein? Nicht verheiratet?“

„Nein, nicht verheiratet,“ antwortete der Fürst, lächelnd über die Naivität dieses Stiches.

„Da ist nichts zu lächeln; das kommt vor. Ich rede von der Datsche, – weshalb bist du nicht zu uns gekommen? Bei uns steht ein ganzer Seitenflügel leer. Übrigens, wie du willst. Wohnst du bei diesem? Bei dem da?“ fragte sie halblaut, mit einem Kopfnicken auf Lebedeff weisend. „Was fehlt ihm, weshalb kann er nicht ruhig stehen?“

In dem Augenblick trat Wjera aus dem Zimmer auf die Terrasse; wie gewöhnlich trug sie das Kindchen auf den Armen. Lebedeff, der sich zwischen den Stühlen der Gäste hin und her wand und entschieden nicht wußte, wo er sich lassen sollte – jedenfalls aber um alles in der Welt nicht die Terrasse verlassen wollte – stürzte sich plötzlich, wie besessen mit den Armen fuchtelnd, seiner Tochter entgegen, um sie nur ja fortzutreiben, und in der Hitze vergaß er sich sogar so weit, daß er mit den Füßen trampelte.

„Was fehlt ihm, ist er wahnsinnig?“ fragte die Generalin erschrocken.

„Nein, er ist ...“

„Betrunken vielleicht? Nein, dein Umgangskreis ist nicht nach meinem Geschmack, offen gesagt, mein Lieber,“ meinte sie schroff, während ihr Blick auch die anderen Gäste streifte. „Aber wer war dieses reizende Mädchen?“