„Mein Herr! ...“

„Das ... das ... das ...“ hörte man gleichzeitig von den aufgeregten Gästen.

„Was diesen Artikel betrifft,“ griff Hippolyt mit seiner heiseren Stimme auf, „was diesen Artikel betrifft, so habe ich Ihnen bereits gesagt, daß sowohl ich wie auch die anderen ihn nicht billigen. Geschrieben aber hat ihn dieser hier.“ (Er wies auf den neben ihm sitzenden Boxer.) „Ich gebe zu, daß er ihn unanständig und in einem Stil geschrieben hat, der allen Verabschiedeten seines Schlages eigen ist. Er ist dumm und obendrein noch käuflich, das gebe ich zu – ich sage es ihm ja jeden Tag ins Gesicht –, aber halbwegs ist er doch in seinem Recht: da ein jeder das Recht zur Veröffentlichung hat, kann auch er davon Gebrauch machen. Seinen Stil jedoch und seine Dummheit mag er selbst verantworten. Und was das betrifft, daß ich vorhin im Namen aller gegen die Anwesenheit Ihrer Freunde protestierte, so erkläre ich jetzt einfach, daß ich einzig deshalb protestiert habe, um unser Recht zu behaupten, im Grunde aber sind uns Zeugen sogar erwünscht, und darin sind wir bereits früher, noch bevor wir hier eintraten, übereinkommen. Also gleichviel, wer die Zeugen sind, und wenn wir Ihre Freunde vor uns haben – um so besser; denn daß sie einsehen werden, daß Burdowskij vollkommen in seinem Recht ist – das liegt ja doch auf der Hand! das ist ja mathematisch klar! – Nun, und so wird eben der Sieg der Wahrheit ein um so größerer sein.“

„Das ist wahr, wir waren übereingekommen, daß ...“ wollte Lebedeffs Neffe Hippolyts Mitteilung bestätigen.

„Aber weshalb erhoben Sie denn vorhin ein solches Geschrei, wenn Ihnen Zeugen sogar erwünscht waren?“ wunderte sich der Fürst.

„In betreff des Artikels, Fürst,“ bemerkte eilig der Boxer, der furchtbar gern auch zu Wort kommen wollte und sich nun, als es ihm endlich gelang, in angenehmer Selbstzufriedenheit immer mehr belebte (es war unschwer zu erraten, daß die Anwesenheit von Damen einen starken Einfluß auf ihn ausübte), „in betreff des Artikels muß ich allerdings gestehen, daß ich der Verfasser bin, obschon mein kranker Freund, dem ich um seiner Krankheit willen zu verzeihen geneigt bin, sich soeben sehr absprechend über diesen meinen Artikel geäußert hat. Ich habe ihn aber in dem Blatt meines anderen Freundes gewissermaßen nur als eingesandten Brief veröffentlicht. Nur das Gedicht zum Schluß stammt allerdings nicht von mir, sondern von einem Bekannten, und man kann sogar sagen, berühmten Humoristen. Vorgelesen habe ich ihn nur meinem Freunde Burdowskij, doch auch ihm nicht alles; ich erhielt aber von ihm sogleich die Erlaubnis, meinen Artikel zu veröffentlichen, was ich schließlich auch ohne seine Erlaubnis hätte tun können, das werden Sie doch zugeben. Das Recht der Veröffentlichung ist ein allgemeines, ein edles und nützliches. Ich hoffe, auch Sie, Fürst, sind so weit fortgeschritten, daß Sie das nicht in Abrede stellen werden ...“

„Das nicht, aber Sie sehen doch wohl selbst ein, daß Ihr Artikel ...“

„Etwas scharf ist, wollen Sie vielleicht sagen? Aber hier handelt es sich doch, das müssen Sie nicht vergessen, um den allgemeinen Nutzen, und dann – wie hätte man eine solche Gelegenheit unbenutzt vorübergehen lassen können? Der Nutzen der Allgemeinheit geht stets voran. Und was die einzelnen Ungenauigkeiten betrifft – man kann sie eigentlich nur Hyperbeln nennen – so sind doch diese nicht von Belang, die Hauptsache bleibt doch die Initiative, der Zweck und die Absicht sozusagen. Von Wichtigkeit ist das Beispiel, die Privatfragen kommen erst später in Betracht. Und dann ist’s doch eine vortreffliche Gelegenheit, den Stil zu entwickeln, es ist ja förmlich eine humoristische Aufgabe, und – alle schreiben doch so! Ha–ha!“

„Aber das ist doch ein ganz falscher Weg! Ich versichere Sie, meine Herren,“ rief der Fürst, „Sie haben den Artikel in dem Glauben geschrieben, daß ich unter keiner Bedingung einwilligen würde, Herrn Burdowskijs Ansprüche zu befriedigen, und so haben Sie mich in dieser Weise schrecken und sich an mir rächen wollen. Woher aber wissen Sie, was ich zu tun beschlossen habe? Ich sage Ihnen jetzt offen in Gegenwart aller, daß ich seine Ansprüche bedingungslos befriedigen werde ...“

„Ah, das ist doch endlich ein kluges und edles Wort eines klug- und edeldenkenden Menschen!“ rief der Boxer begeistert aus.