„Mein Gepäck besteht nur aus einem Bündel, in dem ich meine Wäsche habe, und sonst nichts; ich trage es gewöhnlich in der Hand bei mir. Ein Zimmer aber – nun, ich werde ja wohl heute noch Zeit haben, eines zu mieten.“
„So haben Sie also die Absicht, ein Zimmer zu mieten?“
„O ja, gewiß, selbstverständlich.“
„Aus Ihren Worten glaubte ich eigentlich entnehmen zu können, daß Sie bei mir zu wohnen gedachten.“
„Daran hätte ich doch nur denken können, wenn ich von Ihnen dazu aufgefordert worden wäre. Ich muß aber gestehen, daß ich selbst auf eine Einladung hin nicht bei Ihnen bleiben würde – nicht etwa aus irgendwelchen besonderen Gründen, sondern so ... es ist nicht meine Art.“
„Nun, dann war es ganz richtig von mir, daß ich Sie nicht gleich dazu aufforderte und Sie auch jetzt nicht auffordere. Nur – wenn Sie gestatten, Fürst – um die Sache klarzulegen: da von einer Verwandtschaft zwischen uns, wie wir übereingekommen sind, nicht die Rede sein kann, obschon es mir, versteht sich, sehr schmeichelhaft wäre, so ...“
„So kann ich aufstehen und gehen, nicht wahr?“ Und der Fürst erhob sich mit einem geradezu heiteren Lachen im Gesicht, das sich zu seiner etwas peinlichen Lage seltsam genug ausnahm. „Werden Sie es mir glauben, Exzellenz, bei Gott, obschon ich weder mit den hiesigen Sitten, noch mit dem ganzen Leben hierzulande vertraut bin, war ich doch überzeugt, bevor ich herkam, daß mein Besuch unfehlbar so und nicht anders verlaufen würde, als wie er jetzt tatsächlich verlaufen ist. Doch wie! – vielleicht muß es gerade so sein ... Und überdies ist ja auch schon mein Brief unbeantwortet geblieben ... Also dann – leben Sie wohl und entschuldigen Sie, daß ich Sie belästigt habe.“
Doch der Blick, mit dem der Fürst bei diesen Worten den Hausherrn ansah, war so freundlich und sein Lächeln so ohne jegliche Spur von irgendeinem verborgenen unangenehmen Gefühl, daß der General plötzlich stutzte und seinen Gast auf einmal gleichsam mit ganz anderen Augen betrachtete. In einem Moment hatte er seine Meinung über den Fürsten geändert.
„Wissen Sie, Fürst,“ sagte er lebhaft und mit gänzlich veränderter Stimme, „ich habe Sie ja eigentlich noch gar nicht kennen gelernt, und es ist doch sehr gut möglich, daß auch Jelisaweta Prokofjewna ihren stammverwandten Namensvetter sehen will ... Vielleicht warten Sie einen Augenblick, wenn es Ihre Zeit erlaubt.“
„Oh, meine Zeit erlaubt es mir sehr leicht, sie gehört nur mir allein.“ Und der Fürst legte seinen runden, weichen Hut sofort auf den Tisch. „Offen gesagt, ich habe eigentlich auch daran gedacht, daß Jelisaweta Prokofjewna sich vielleicht meines Briefes an sie erinnern wird. Vorhin, als ich dort im Vorzimmer wartete, befürchtete Ihr Diener, daß ich Sie vielleicht anbetteln würde – jawohl: das war nicht schwer zu erraten – bei Ihnen aber muß es in der Beziehung strenge Vorschriften geben. Doch ich habe Sie wirklich nicht deshalb aufgesucht, es war mir wirklich nur darum zu tun, mit Menschen bekannt zu werden. Nur glaube ich, daß ich Sie aufgehalten habe, und das beunruhigt mich.“