„Tja, weiter ist nichts ... das war alles.“
„Ich bin Ihnen übrigens nicht böse,“ sagte Hippolyt plötzlich ganz unvermittelt und streckte, vielleicht ohne sich selbst dessen bewußt zu sein, Jewgenij Pawlowitsch die Hand entgegen und lächelte sogar dazu.
Jewgenij Pawlowitsch wunderte sich zuerst, berührte dann aber doch mit dem ernstesten Gesicht die ihm entgegengestreckte Hand, als empfinge er wirklich Hippolyts Verzeihung.
„Ich kann nicht umhin, Ihnen meinen Dank auszusprechen für die Aufmerksamkeit, mit der Sie mich angehört haben,“ sagte er in demselben zweideutig-höflichen Tone, „denn nach meinen unzähligen Beobachtungen ist unser Liberaler nie imstande, einem anderen Menschen eine andere Überzeugung zu gestatten und seinem Opponenten nicht sogleich mit Geschimpf zu antworten oder mit noch Schlimmerem ...“
„Das haben Sie sehr richtig bemerkt,“ versetzte General Iwan Fedorowitsch, worauf er, die Hände auf dem Rücken, mit der gelangweiltesten Miene wieder an die Treppe der Terrasse trat, wo er vor Ärger heimlich gähnte.
„Nun, jetzt haben wir aber genug von dir,“ erklärte Lisaweta Prokofjewna, zu Jewgenij Pawlowitsch gewandt. „Ihr werdet mir langweilig ...“
„Es ist Zeit!“ erhob sich sofort Hippolyt besorgt und fast erschrocken und blickte sich verwirrt im Kreise um. „Ich habe Sie aufgehalten ... ich wollte Ihnen alles sagen ... ich glaubte, daß alle ... das war nur eine phantastische Idee ...“
Man sah es ihm an, daß er sich nur vorübergehend belebte, daß er aus seinen Fieberdelirien ganz plötzlich nur auf kurze Zeit zu sich kam und mit vollem Bewußtsein dachte und sprach. Letzteres meistenteils nur in abgerissenen Sätzen, die er vielleicht alle schon vorher gedacht – in den langen endlosen Stunden auf seinem Krankenlager, wenn er schlaflos in seiner Einsamkeit lag.
„Nun, leben Sie wohl!“ sagte er plötzlich schroff. „Sie glauben, daß es mir leicht ist, Ihnen ‚Leben Sie wohl‘ zu sagen? Na – ha!“ lachte er kurz auf, ärgerlich über seine ungeschickte Frage, und plötzlich, gewissermaßen aus Ärger darüber, daß er nichts von dem gesagt hatte und nichts aussprechen konnte, sagte er laut und gereizt: „Exzellenz! ich habe die Ehre, Sie zu meiner Beerdigung aufzufordern, vorausgesetzt, daß Sie mich dieser Ehre würdigen, ... und nach Seiner Exzellenz auch alle anderen!“
Wieder lachte er auf; doch diesmal klang es wie das Lachen eines Irrsinnigen. Lisaweta Prokofjewna näherte sich ihm erschrocken und erfaßte seine Hand. Hippolyt sah sie, mit demselben Lachen im Gesicht, forschend und unbeweglich an; doch er lachte nicht mehr hörbar, das Lachen war nur als solches gleichsam in seinem Gesicht erstarrt.