„Ich habe dort,“ begann Hippolyt stockend, und er bemühte sich, den Kopf zu erheben, „ich habe einen Bruder und zwei Schwestern, Kinder, kleine Kinder, arme, unschuldige ... Sie wird sie verderben! Entreißen Sie sie ihr ... Sie – sind eine Heilige, Sie ... Sie sind selbst ein Kind, – retten Sie sie! Retten Sie sie vor dieser ... sie ... wird sie der Schande ... Oh, helfen Sie ihnen, erbarmen Sie sich ihrer, Gott wird es Ihnen hundertfach vergelten, um Christi willen! ...“

„So sagen Sie doch endlich, Iwan Fedorowitsch, was soll man jetzt tun!“ rief Lisaweta Prokofjewna gereizt ihren Mann um Rat an. „Haben Sie doch die Güte und brechen Sie endlich Ihr erhabenes Schweigen! Wenn Sie sich zu nichts entscheiden, werde ich selbst hier nächtigen, damit Sie’s nur wissen; Sie haben mich zur Genüge mit Ihrer Herrschsucht tyrannisiert!“

Lisaweta Prokofjewna war zu jedem Opfer bereit, was sie äußerlich in ihrem Zorn verriet, und erwartete eine sofortige Antwort. Leider pflegen in solchen Fällen die Anwesenden, selbst wenn ihrer viele sind, mit Schweigen und passiver Neugier zu antworten, um nur ja nichts auf sich zu nehmen. Ihre Gedanken aber äußern sie gewöhnlich erst lange nachher. Hier nun gab es unter den Anwesenden sogar solche, die womöglich die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen gesessen hätten, ohne auch nur ein Wort zu sagen – zum Beispiel Warwara Ardalionowna Ptizyn, die die ganze Zeit schweigend dagesessen und nur mit ungeheurem Interesse zugehört hatte, – vielleicht nicht ohne ihre besonderen Gründe zu diesem Interesse zu haben.

„Meine Liebe,“ versetzte der General, „meine Meinung wäre die, daß hier jetzt eher eine Krankenpflegerin am Platze wäre als unsere Aufregung ... oder für diese Nacht zum mindesten ein nüchterner, zuverlässiger Mensch. Jedenfalls müssen wir aber den Fürsten bitten und ... diesem hier unverzüglich Ruhe gönnen. Morgen kann man sich ja dann wieder nach ihm erkundigen.“

„Es ist sogleich zwölf, wir fahren. Wird er mit uns kommen oder bleibt er bei Ihnen?“ wandte sich Doktorenko gereizt und geärgert an den Fürsten.

„Wenn Sie wollen, so bleiben Sie doch auch hier bei ihm,“ forderte ihn der Fürst auf, „Platz habe ich genug.“

„Exzellenz,“ wandte sich ganz unerwartet und förmlich begeistert Herr Keller an den General, „wenn ein zuverlässiger Mensch für die Nacht verlangt wird, so bin ich gern bereit, meinem Freunde das Opfer zu bringen ... er ist ein seltener Mensch, wenn Sie wüßten, was für eine Seele er hat! Ich halte ihn schon längst für ein Genie, Exzellenz! Ich habe gewißlich, sowohl in meiner Bildung wie in meiner Karriere, Pech gehabt und Exzellenz werden das verstehen ... aber wenn er kritisiert, das kann auch ich beurteilen, dann streut er ja nur so Perlen aus dem Ärmel, Perlen, sag’ ich Ihnen! ...“

Mit Verzweiflung im Gesicht wandte ihm der General den Rücken.

„Es wird mich sehr freuen, wenn er hier bleibt; es würde ihm natürlich sehr schwer fallen, jetzt noch zu fahren,“ sagte der Fürst auf die gereizte Frage Lisaweta Prokofjewnas.

„Ja, schläfst du denn? Wenn du nicht willst, Väterchen, werde ich ihn zu mir bringen! Gott, du hältst dich ja selbst kaum auf den Füßen! Bist du krank? Was fehlt dir?“