Als Lisaweta Prokofjewna den Fürsten nicht sterbend vorgefunden, hatte sie ihn nach seinem Aussehen für viel gesunder gehalten, als er war. In Wirklichkeit aber hatten der Anfall, die schweren Erinnerungen, die sich an ihn knüpften, die physische Müdigkeit in den Gliedern und der ermüdende Abendbesuch, ferner dieser ganze Vorfall mit dem „Sohn Pawlischtscheffs“ und nun auch noch der mit Hippolyt – alles das hatte auf die krankhafte Empfindsamkeit des Fürsten geradezu fieberhaft eingewirkt. Außerdem verrieten jetzt seine Augen noch irgendeine besondere Sorge oder sogar Angst: fast furchtsam blickte er auf Hippolyt, ganz als befürchte er von diesem irgend etwas.

Da erhob sich plötzlich Hippolyt, unheimlich bleich, mit einem Ausdruck unerträglicher, an Verzweiflung grenzender Scham in seinem verzerrten Gesicht. Diese Scham drückte sich vor allem in seinem Blick aus, der haßerfüllt und doch angstvoll über die Anwesenden huschte, und in dem verlorenen, verzogenen und gleichsam sich windenden Spottlächeln auf seinen zuckenden Lippen. Übrigens senkte er den Blick sogleich zu Boden und wankte mit unsicheren Schritten, immer noch dasselbe Lächeln auf den Lippen, zu Burdowskij und Doktorenko, die bereits an der Treppe standen: er fuhr mit ihnen.

„Das ... das fürchtete ich ja!“ rief der Fürst aus. „So mußte es ja kommen!“

Hippolyt wandte sich brüsk nach ihm um, und rasende Wut sprach aus seinem Gesicht, in dem jeder Nerv zu zittern und zu sprechen schien.

„Ah, also das haben Sie befürchtet! ‚So mußte es ja kommen‘ Ihrer Meinung nach? So hören Sie denn, daß ich, wenn ich hier jemanden hasse – und ich hasse Sie hier alle!“ – schrie er heiser, kreischend, bei jedem Satz spritzte der Speichel von seinen Lippen und an seinen Mundwinkeln hatte sich Schaum gebildet, – „daß ich Sie, Sie Jesuit, Sie Idiot, Sie tugendreicher Millionär und Wohltäter, daß ich Sie mehr als alles auf der Welt hasse! Ich habe Sie längst durchschaut und zu hassen begonnen, schon damals, als ich Sie nur vom Hörensagen kannte, haßte ich Sie mit dem ganzen Haß meiner Seele ... Das haben Sie jetzt so herbeigeführt! Sie haben mich zu diesem Anfall gebracht! Sie haben mich, den Sterbenden, dieser Schmach ausgesetzt, Sie, Sie, Sie allein sind schuld an meiner erbärmlichen Verzagtheit! Ich würde Sie totschlagen, wenn ich am Leben bliebe! Ich brauche Ihre Wohltaten nicht, ich nehme von keinem welche an, hören Sie, von keinem, nichts! Ich fieberte ... ich habe nur phantasiert, Sie dürfen es nicht wagen, zu triumphieren! Ich verfluche Sie alle ein für allemal!“

Seine Stimme brach ab, er war atemlos.

„Schämt sich seiner Tränen!“ flüsterte Lebedeff Lisaweta Prokofjewna zu. „Da haben wir das ‚So mußte es kommen!‘ Ja, der Fürst! Hat ihm wieder bis ins Innerste geschaut ...“

Doch Lisaweta Prokofjewna würdigte ihn nicht einmal eines Blickes. Sie stand, stolz aufgerichtet, den Kopf in den Nacken geworfen, und betrachtete mit verächtlichem Blick „diese Leutchen“. Als Hippolyt atemlos verstummt war, hatte der General nur die Schultern mit entsprechender Mundbewegung in die Höhe gezogen, woraufhin ihn seine Gattin jetzt zornig vom Kopf bis zu den Füßen maß, als verlange sie Rechenschaft über diese seine Bewegung; doch dann wandte sie sich, ohne ein Wort zu sagen, an den Fürsten.

„Ich danke Ihnen, Fürst – unserem exzentrischen Freunde, der Sie sind – für den angenehmen Abend, den Sie uns allen bereitet haben. Sie können sich ja jetzt von Herzen freuen, daß es Ihnen doch gelungen ist, auch uns in Ihre Dummheiten zu verwickeln ... Genug jetzt, lieber Freund, ich danke Ihnen, daß Sie uns dabei wenigstens Gelegenheit geboten haben, Sie einmal gut zu durchschauen! ...“

Und unwillig begann sie ihre Mantille zurechtzuziehen, da sie erst abwarten wollte, bis „jene“ sich fortbegeben hatten. Doktorenko hatte bereits vor einer Viertelstunde Lebedeffs Sohn, den Gymnasiasten, nach einer Droschke geschickt, mit der dieser nun gerade vorgefahren war. Dem Beispiel seiner Gattin folgend, wandte sich auch der General an den Fürsten.