„Ich habe keine Ahnung!“ antwortete der Fürst, der sich gleichfalls in krankhafter Spannung und Erregung befand.
„Wirklich nicht?“
„Sie können es mir glauben.“
„Tja, auch ich weiß es nicht,“ lachte plötzlich Jewgenij Pawlowitsch. „Bei Gott, ich habe keinen Schimmer von irgendwelchen Wechseln, Sie können es mir wahrhaftig glauben, ich versichere Sie auf mein Ehrenwort! ... Aber was ist mit Ihnen, Sie werden doch nicht ohnmächtig?“
„Oh, nein, nein, gewiß nicht, nein ...“
XI.
Erst am dritten Tage wurde dem Fürsten von Jepantschins verziehen. Zwar sprach der Fürst, wie gewöhnlich, sich allein die ganze Schuld zu und erwartete daher mit Gewißheit seine Strafe; trotzdem war er innerlich von Anfang an überzeugt, daß Lisaweta Prokofjewna ihm nicht ernstlich böse sein könne, sondern sich aller Wahrscheinlichkeit nach mehr über sich selbst ärgere. Deshalb fühlte er sich denn auch am dritten Tage, als ihm noch immer nicht Verzeihung gewährt worden war, moralisch ganz niedergedrückt. Außerdem kamen noch andere Dinge hinzu, die ihn quälten, namentlich etwas, das sich im Laufe der drei Tage dank dem zunehmenden Mißtrauen des Fürsten progressiv vergrößerte und immer beängstigender wurde. (Er machte sich seit einiger Zeit heftige Vorwürfe wegen seines „sinnlosen, zudringlichen“ Vertrauens und seines „finsteren, niedrigen“ Mißtrauens.) Kurz und gut – bis zum Abend des dritten Tages hatte der Zwischenfall mit der exzentrischen Dame, die aus dem Wagen zu Jewgenij Pawlowitsch gesprochen, in seinen Gedanken bereits eine wahrhaft rätselhafte Bedeutung von nahezu erschreckendem Umfang angenommen. Die unheimlichste Frage war für ihn – ganz abgesehen von allen anderen unangenehmen Seiten des Vorfalls – ob nun wiederum er allein an dieser neuen „Ungeheuerlichkeit“ schuld sei, oder nur ... Doch er sprach es nicht aus, wen er meinte. Was jedoch die Umänderung der Buchstaben A. M. D. in N. F. B. anlangte, so glaubte er jetzt nur einen harmlosen Scherz darin erblicken zu dürfen, eine kindliche Unart, so daß ihm selbst längeres Nachdenken darüber beschämend und in einer Beziehung sogar unehrenhaft erschien.
Übrigens hatte der Fürst am nächsten Tage nach jenem „scheußlichen Abend“ das Vergnügen gehabt, den Fürsten Sch. und Adelaida bei sich zu empfangen: sie waren „hauptsächlich deshalb gekommen, um sich nach seiner Gesundheit zu erkundigen“. Adelaida hatte im Park einen „entzückenden alten Baum“ entdeckt, eine Trauerbirke mit langen hängenden Ästen in frischem jungen Grün; unterwegs – sie waren beide „nur so“ spazieren gegangen – hatte Adelaida beschlossen, „unbedingt, unbedingt diesen Baum zu malen“. Und von diesem Baum war fast die ganze Zeit gesprochen worden, mindestens eine halbe Stunde lang. Fürst Sch. war so liebenswürdig und aufmerksam gewesen, wie er es immer war, hatte den Fürsten nach diesem und jenem gefragt, hatte ihn an ihre erste Begegnung in der kleinen Provinzstadt erinnert, so daß des vorhergegangenen Abends mit keinem Wort Erwähnung getan wurde. Schließlich hatte es Adelaida doch nicht ausgehalten: sie hatte zu lachen begonnen und gestanden, daß sie beide gewissermaßen „inkognito“ zu ihm gekommen seien. Doch das war auch alles, was sie verriet, – nicht viel, aber auch gewiß nicht wenig, denn aus diesem „inkognito“ konnte man mit Leichtigkeit die Stimmung ihrer Eltern erraten. Doch weder über ihre Mutter, noch über Aglaja und nicht einmal über Iwan Fedorowitsch ließ Adelaida ein Wort fallen, und als sie aufbrachen, um ihren Spaziergang wieder fortzusetzen, forderten sie den Fürsten nicht auf, sich ihnen anzuschließen, – von „sie zu besuchen“ war erst recht keine Rede! Ja, in der Beziehung verriet ein kurzes Gespräch sogar noch viel mehr: als Adelaida von ihrer letzten Aquarellmalerei erzählte, wünschte sie plötzlich sehr, daß der Fürst sie kritisiere. „Aber wie soll ich sie Ihnen zeigen?“ stutzte sie auf einmal. „Warten Sie! Ich werde Koljä bitten, wenn er heute zu uns kommt ... oder nein, ich werde sie Ihnen morgen selbst bringen, wenn ich mit dem Fürsten wieder spazieren gehe!“ entschied sie schnell, sehr erfreut über die gefundene Lösung des Problems.
Sie verabschiedeten sich bereits, als Fürst Sch. sich scheinbar erst jetzt ganz plötzlich einer Sache zu entsinnen schien.
„Ach, à propos,“ wandte er sich an den Fürsten, „wissen Sie nicht wenigstens, bester Lew Nikolajewitsch, wer diese Dame war, die gestern Jewgenij Pawlowitsch diese rätselhaften Worte zurief?“