„Das weiß ich selbst nicht genau; ich weiß nur, daß ich gerade das empfand, was ich schrieb. Ich hatte dort bisweilen Augenblicke, in denen ich so voll Leben und voll ungeheurer Hoffnungen war ...“
„Was waren denn das für Hoffnungen?“
„Das ist schwer zu erklären, jedenfalls aber nicht eine solche, wie Sie jetzt vielleicht annehmen. Eine Hoffnung ... nun, mit einem Wort, Hoffnung auf die Zukunft und Freude darüber, daß ich in Rußland vielleicht kein Fremder bin, kein Ausländer. Es gefiel mir plötzlich ganz unsäglich im Vaterland. Und an einem sonnigen Morgen setzte ich mich hin und schrieb an sie diesen Brief; weshalb gerade an sie – das weiß ich nicht. Mitunter sehnt man sich doch nach einem Freunde ... so werde ich mich damals wohl auch nach einem Freunde gesehnt haben ...“ fügte der Fürst nach kurzem Schweigen hinzu.
„Sag’ mal: bist du etwa in sie verliebt?“
„N–nein. Ich ... ich habe an sie wie meine Schwester geschrieben; ich unterschrieb mich ja auch ‚Ihr Bruder‘.“
„Hmhm! absichtlich; ich verstehe.“
„Es fällt mir sehr schwer, Ihnen auf diese Fragen zu antworten, Lisaweta Prokofjewna.“
„Ich weiß, daß es dir schwerfällt, aber was geht das mich an, ob es dir schwerfällt. Höre, sag’ mir die Wahrheit, antworte mir wie deinem Gott: lügst du mir da was vor oder lügst du nicht?“
„Ich lüge nicht.“