„Ich werde morgen kommen. Jetzt gehe ich nach Haus; du ... kommst du zu mir?“
„Wozu? Ich hab dir alles gesagt; leb wohl.“
„So kommst du nicht?“ fragte der Fürst leise.
„Ein seltsamer Mensch bist du, Lew Nikolajewitsch, man kann sich wirklich nur über dich wundern.“
Rogoshin lachte wieder kurz und gehässig auf.
„Weshalb hegst du jetzt solchen Groll gegen mich?“ fragte der Fürst traurig und doch mit verhaltener Leidenschaft. „Du weißt doch jetzt selbst, daß alles, was du früher dachtest, nicht richtig war. Übrigens habe ich es selbst nicht anders erwartet, als daß dein Haß auch jetzt noch nicht vergehen würde, und weißt du, weshalb? Nicht deshalb, weil nicht ich dir nach dem Leben getrachtet habe, sondern weil du mir nach dem Leben getrachtet hast, deshalb vergeht dein Haß noch nicht. Aber ich sage dir: ich kenne nur jenen Parfen Rogoshin, mit dem ich an jenem Tage die Kreuze getauscht habe und der mir zum Bruder geworden ist, das habe ich dir auch gestern in meinem Brief geschrieben, damit du diesen ganzen Fiebertraum vergißt und überhaupt nicht mehr an ihn denkst und auch nie mehr darauf zu sprechen kommst. Weshalb wendest du dich von mir ab? Weshalb verbirgst du deine Hand? Ich sage dir doch, daß ich alles, was damals war, für nichts anderes als einen Fiebertraum halte: ich kenne dich jetzt, weiß, wie du damals warst, weiß es so gut, als wäre ich es selbst gewesen. Das, was du damals glaubtest, das gab es gar nicht und konnte es auch gar nicht geben. Weshalb aber soll dann dieser Haß zwischen uns sein?“
„Du und Haß!“ lachte wieder Rogoshin in seiner gehässigen Weise als Antwort auf die glühende Rede des Fürsten.
Er stand halb von ihm abgewandt, nachdem er noch zwei Schritte zur Seite getreten war, und verbarg allerdings seine Hand.
„Jetzt steht es mir nicht mehr zu, überhaupt noch zu dir zu kommen, Lew Nikolajewitsch,“ fügte er langsam und bedeutungsvoll nach einer Weile hinzu.
„So groß ist also dein Haß, wie?“