„Habe keine Ahnung!“ antwortete General Iwolgin, mit wichtiger Miene seine Stelle „eines Präsidenten“ vertretend.
„Ich liebe außerordentlich solche Dispute und Auseinandersetzungen, Fürst, natürlich nur wissenschaftliche ...“ murmelte währenddessen Keller, der vor Entzücken und Ungeduld auf seinem Stuhle hin und her rückte, „wissenschaftliche, und natürlich politische,“ wandte er sich plötzlich ganz unerwartet an Jewgenij Pawlowitsch, der fast mit ihm in einer Reihe saß. „Wissen Sie, ich liebe furchtbar in den Zeitungen vom englischen Parlament zu lesen, d. h. nicht eigentlich um zu erfahren, um was es sich da handelt (ich, wissen Sie, bin kein Politiker), sondern wie sie sich aufführen, wie sie miteinander verhandeln als Politiker, die äußere Form: der ehrenwerte Herr Viscount von der Gegenseite, der ehrenwerte Herr Graf, der meine Ansicht teilt, mein ehrenwerter Opponent, der ganz Europa mit seinem Vorschlag in Erstaunen gesetzt hat, d. h. alle diese Ausdrücke, dieser ganze Parlamentarismus eines freien Volkes, das ist es, was unsereinem verlockend erscheint! Ich bin entzückt davon, Fürst. Ich war immer im Grunde meiner Seele ein Künstler, Jewgenij Pawlowitsch.“
„Und was ergibt sich denn daraus?“ ereiferte sich in einer anderen Ecke Ganjä. „Ihrer Meinung nach sind die Eisenbahnen ein Fluch, das Verderben der Menschheit, eine Pest, die auf die Erde gefallen ist, um die ‚Quellen des Lebens‘ zu trüben.“
Gawrila Ardalionytsch war an diesem Abend ganz besonders guter Laune, in einer ausgelassenen, fast triumphierenden Stimmung, wie es dem Fürsten schien. Mit Lebedeff scherzte er natürlich, um ihn anzufeuern, geriet aber selbst dabei in Feuer.
„Nein, nicht die Eisenbahn!“ ereiferte sich wieder Lebedeff, außer sich geratend und ganz berauscht von Entzücken. „Die Eisenbahnen allein trüben nicht die Quellen des Lebens, aber alles das zusammen ist verflucht, die ganze Richtung unserer letzten Jahrhunderte in Wissenschaft und Praxis ist, wie mir scheint, verflucht.“
„Ob wirklich verflucht, oder nur für unser Empfinden: Das wäre in diesem Falle sehr wichtig zu wissen,“ bemerkte Jewgenij Pawlowitsch.
„Verflucht, verflucht, wirklich verflucht!“ beteuerte Lebedeff bombensicher.
„Überstürzen Sie sich nicht, Lebedeff, Sie sind am anderen Morgen immer viel vorsichtiger,“ bemerkte lächelnd Ptizyn.
„Dafür bin ich aber am Abend um so aufrichtiger! Am Abend bin ich seelenvoller und aufrichtiger!“ wandte sich Lebedeff feurig an ihn. „Aufrichtiger und bestimmter, ehrenhafter und ehrenwerter, damit würde ich Ihnen schon ein Bein stellen, doch ich spucke drauf: ich fordere euch jetzt alle heraus, euch Atheisten alle: womit errettet ihr die Welt und worin habt ihr dieser Welt einen Weg gewiesen, ihr Männer der Wissenschaft und des Handels, der Verbände und der Nationalökonomie? Womit? Mit dem Kredit etwa? Was ist das: Kredit? Wozu führt euch der Kredit?“
„Sehen Sie doch, wie der neugierig ist!“ bemerkte Jewgenij Pawlowitsch.