„Eine sehr feine und geschickte Anspielung!“ lobte ihn Lebedeff. „Und doch ist die Rede nicht davon. Die Frage bei uns war vielmehr die, ob die ‚Quellen des Lebens‘ nicht versiegen infolge ...“
„Der Eisenbahnen?!“ rief Koljä.
„Nicht der Eisenbahnen, junger, aber kühner Mann, doch infolge der ganzen Richtung, der auch die Eisenbahnen dienen, sozusagen als Bild, als künstlerischer Ausdruck. Sie rasen, sie hämmern, sie dröhnen für das Glück der Menschheit, wie man sagt. ‚Zu lärmend, zu tätig wird die Menschheit, wenig geistige, seelische Ruhe hat sie‘, beklagte sich bereits ein einsamer Denker. ‚Möglich, doch das Dröhnen der Wagen, die der hungernden Menschheit Brot bringen, ist vielleicht wertvoller als die Ruhe des Geistes‘, antwortete ihm ein anderer triumphierend, einer, der überall herumfährt. Ich glaube es ihnen nicht, ich erbärmlicher Kerl Lebedeff: die Wagen, die der Menschheit Brot bringen sollen! Denn die Wagen, die ohne sittliche Grundlagen der Menschheit Brot bringen, könnten ebensogut kaltblütig einen bedeutenden Teil der Menschheit von dem Genuß des Brotes ausschließen, was ja auch schon vorgekommen ist ...“
„Diese Wagen können kaltblütig jemand ausschließen?“ griff jemand auf.
„Was auch schon vorgekommen ist,“ bestätigte Lebedeff, ohne weiter dem Frager Beachtung zu schenken, „wir hatten schon einen Malthus, einen Freund der Menschheit. Doch dieser Freund der Menschheit ist mit seinen wankenden sittlichen Grundlagen in Wahrheit ein Menschenfresser der Menschheit, ganz zu schweigen von seiner Eitelkeit. Denn beleidigen Sie die Eitelkeit eines dieser zahllosen Freunde der Menschheit und er ist sofort bereit, aus kleinlicher Rachsucht die Welt an ihren vier Enden anzuzünden, – übrigens genau so, wie es jeder von uns auch tun würde, und, der Gerechtigkeit die Ehre, genau wie ich, der allererbärmlichste von allen, der vielleicht als erster das Holz dazu herbeischleppen, selbst aber davonlaufen würde. Doch nicht davon ist die Rede!“
„Ja, wovon denn eigentlich?“
„Wirklich langweilig!“
„Es handelt sich um eine Anekdote aus dem vergangenen Jahrhundert. In unserer Zeit, in unserem Vaterlande, das Sie, meine Herren, hoffe ich, ebenso lieben wie ich, denn ich bin meinerseits bereit, mein Blut für das Vaterland zu vergießen ...“
„Weiter, weiter!“
„In unserem Vaterlande, wie in Europa, pflegen schreckliche, verheerende Hungersnöte – jetzt, in unserer Zeit – die Menschheit nur einmal im Vierteljahrhundert heimzusuchen, wenn ich mich nicht irre und so weit ich mich entsinnen kann, mit anderen Worten, alle fünfundzwanzig Jahre. Ich will mich ja nicht auf die genaue Zahl versteifen. Nur, meine ich, ist es verhältnismäßig sehr selten –“