„Ich wußte auch gestern, daß Sie mich nicht lieben.“
„Das heißt, weil ich Sie beneide, beneide? Sie dachten es schon immer und denken es auch jetzt, doch ... doch warum sage ich Ihnen das? Ich möchte noch Champagner trinken, schenken Sie mir ein, Keller.“
„Sie dürfen nicht mehr trinken, Hippolyt, ich gebe Ihnen keinen.“
Und der Fürst nahm ihm das Glas fort.
„Nun, meinetwegen ...“ willigte Hippolyt sofort ein, wie in Gedanken versunken. „Sie werden noch alle sagen ... doch, den Teufel auch! was geht’s mich an, was sie sagen werden! Nicht wahr, nicht wahr? Mögen sie nachher sagen, was sie wollen, nicht, Fürst? Und was geht es uns alle an, was dann sein wird! ... Ich glaube, ich bin noch verschlafen. Was für einen furchtbaren Traum ich hatte – jetzt erst erinnere ich mich ... Ich wünsche Ihnen solche Träume nicht, Fürst, obgleich ich Sie vielleicht wirklich nicht liebe. Übrigens, wenn man einen Menschen auch nicht liebt, warum soll man ihm Schlechtes wünschen, nicht wahr? Doch was frage ich Sie denn, immer frage ich Sie! Geben Sie mir Ihre Hand, ich werde Sie Ihnen kräftig drücken, so ... Sie haben mir also gleich Ihre Hand gegeben! Also müssen Sie wissen, daß ich sie aufrichtig drücke? ... Übrigens, ich werde nicht mehr trinken. Wieviel ist die Uhr? Nein, es ist nicht nötig, ich weiß, wieviel die Uhr ist. Es ist Zeit! Die Stunde ist gekommen. Was, dort in der Ecke wird der Imbiß eingenommen? Also wird dieser Tisch hier frei? Vorzüglich! Meine Herren, ich ... doch alle diese Herren hören ja gar nicht ... ich bin bereit, Ihnen etwas vorzulesen, Fürst; der Imbiß ist natürlich interessanter, aber ...“
Und plötzlich zog er ganz unerwartet aus seiner Seitentasche ein großes rotversiegeltes Paket hervor und legte es vor sich hin auf den Tisch.
Das Unerwartete der Sache brachte einen großen Effekt in der Gesellschaft hervor. Auf so etwas war man gar nicht vorbereitet. Jewgenij Pawlowitsch sprang sogar von seinem Stuhl auf. Ganjä kam schnell an den Tisch heran. Rogoshin auch, doch mit geringschätziger, ärgerlicher Miene, als ob er wüßte, um was es sich handelte. Lebedeff, der in der Nähe beschäftigt war, kam auch herbei und betrachtete das Paket mit neugierigen Augen, als wollte er erraten, wovon es handelte.
„Was haben Sie denn da?“ fragte beunruhigt der Fürst.
„Sobald der äußerste Rand der Sonne am Horizont erscheint, werde ich zur Ruhe gehen, Fürst, ich habe es gesagt; mein Ehrenwort: Sie werden es sehen!“ rief Hippolyt. „Doch ... doch ... glauben Sie wirklich, daß ich nicht imstande sein werde, dieses Paket zu öffnen?“ fügte er hinzu, als forderte er sie alle heraus, und als wandte er sich ausnahmslos an alle.
Der Fürst bemerkte, daß er am ganzen Körper zitterte.