„Wie, sie gehen fort? Ist alles aus? Alles schon zu Ende? Ist die Sonne schon aufgegangen?“ fragte er erregt, indem er die Hand des Fürsten erfaßte. „Wieviel ist die Uhr, um Gottes willen, die Uhr? Ich habe mich verschlafen. Habe ich lange geschlafen?“ fügte er verzweifelt hinzu, als hätte er etwas verschlafen, wovon sein ganzes Schicksal abhing.
„Sie haben im ganzen sieben oder acht Minuten geschlafen,“ antwortete Jewgenij Pawlowitsch.
Hippolyt sah ihn starr an und dachte einen Augenblick nach.
„Nur! Also habe ich nichts verloren ...“
Und er atmete auf, als ob eine unendlich schwere Last von ihm genommen wäre. Er begriff endlich, daß „nichts verloren“ war, daß die Sonne noch nicht aufgegangen, daß die Gäste nur ihre Stühle verließen, um einen Imbiß einzunehmen, und daß lediglich das Geschwätz Lebedeffs zu Ende war. Er lächelte und ein schwindsüchtiges Rot in Gestalt zweier Flecke erschien auf seinen Wangen.
„Sie haben also die Minuten gezählt, während ich schlief, Jewgenij Pawlowitsch,“ griff er spöttisch auf. „Sie haben sich den ganzen Abend nicht von mir losreißen können, ich habe es gesehen ... Ah! Rogoshin! Ich habe ihn soeben im Traume gesehen,“ flüsterte er dem Fürsten zu und sah stirnrunzelnd zu Rogoshin hinüber. „Ach, ja, wo ist denn der Redner geblieben,“ sprang er wieder auf etwas anderes über, „wo ist Lebedeff? Lebedeff hat also seine Rede beendet? Wovon sprach er? Ist es wahr, Fürst, daß Sie einmal gesagt haben, die Welt wird durch die Schönheit erlöst werden? Meine Herren,“ wandte er sich mit lauter Stimme an alle, „der Fürst behauptet, daß Schönheit die Welt erlösen werde! Doch ich behaupte, daß er nur deshalb so sonderbare Gedanken hat, weil er verliebt ist. Meine Herren, der Fürst ist verliebt. Vorhin, als er eintrat, habe ich mich davon überzeugt. Erröten Sie nicht, Fürst, sonst muß ich Sie bedauern. Welche Schönheit wird die Welt erlösen? Mir hat es Koljä gesagt ... Sie sind ein eifriger Christ? Koljä sagt, daß Sie sich selbst einen Christen genannt haben.“
Der Fürst sah ihn durchdringend an und antwortete ihm nicht.
„Sie antworten mir nicht? Sie denken vielleicht, daß ich Sie sehr liebe,“ fügte plötzlich Hippolyt wie abgebrochen hinzu.
„Nein, das denke ich nicht. Ich weiß, daß Sie mich nicht lieben.“
„Wie, auch nicht nach dem gestrigen Vorfall? Gestern war ich doch aufrichtig gegen Sie?“