„Empfangen? Sie sagen, wir sollen ihn empfangen? Jetzt? Sogleich?“

Die Generalin sah ihren etwas unsicher geschäftigen Iwan Fedorowitsch mit besagten großen Augen an.

„Oh, was das betrifft, so braucht man bei dem nicht alle Etikettevorschriften und Zeremonien zu beobachten, vorausgesetzt, daß es dir, mein Freund“ (der General redete seine Gattin gewöhnlich mit „mein Freund“ an), „daß es dir nur zusagt, ihn zu empfangen,“ beeilte er sich erklärend hinzuzufügen. „Er ist ein vollständiges Kind und so ein armer Junge: hat da gewisse Anfälle, wie er sagt, von einer Krankheit wahrscheinlich; kommt soeben aus der Schweiz, direkt von der Bahn, ist etwas eigenartig gekleidet, so–o ... nach deutscher Art gewissermaßen, und hat zum Überfluß keine Kopeke in der Tasche, tatsächlich; er weinte beinahe. Ich habe ihm fünfundzwanzig Rubel geschenkt und will ihm in einer Kanzlei eine kleine Schreiberstelle zu verschaffen suchen. Und euch, mesdames, bitte ich, ihn gefälligst zu bewirten; denn er wird, glaube ich, auch hungrig sein ...“

„Ich verstehe Sie nicht,“ fuhr die Generalin im selben Ton und mit demselben Blick fort, „hungrig und hat Anfälle! Was für Anfälle?“

„Oh, die wiederholen sich nicht so oft, und dann – er ist ja fast noch ein großes Kind, übrigens nicht ungebildet. Und euch wollte ich bitten, mesdames,“ wandte er sich wieder an seine Töchter, „ihn ein wenig zu examinieren; denn es ist doch immer gut, wenn man weiß, was für Eigenschaften er hat.“

„Ex–a–mi–nie–ren?“ fragte die Generalin gedehnt und begann in größter Verwunderung bald ihre Töchter, bald wiederum ihren Gatten mit fragendem Blick anzusehen.

„Ach, mein Freund, das war natürlich nicht so gemeint, versteh mich nicht falsch ... übrigens, wie du willst. Ich hatte die Absicht, ihn gut zu behandeln und in unser Haus einzuführen; denn das wäre doch ein gutes Werk.“

„In unser Haus einzuführen? Aus der Schweiz?“

„Die Schweiz ist eine Sache für sich ... doch, übrigens, wie gesagt: ganz wie du willst. Ich meine ja nur, weil er doch auch ein Myschkin ist, und vielleicht sogar verwandt mit dir, und dann: er weiß nicht einmal, wo er sein Haupt hinlegen soll. Ich glaubte, daß es dich interessieren würde, ihn kennen zu lernen; denn er gehört doch gewissermaßen, nun ja, zur Familie.“

„Gewiß doch, maman, wenn man mit ihm nicht so zeremoniell zu sein braucht. Und nach der Reise wird er sicherlich Hunger haben, weshalb also soll man ihm nicht zu essen geben, wenn er hier sonst keine Menschenseele hat?“ sagte Alexandra, die älteste Tochter.