„Dieser Mann deiner Schwester, der Wucherer ist ...“

„Ernährt mich, nicht wahr? bitte, mache keine Umstände, und sag es nur gerade heraus.“

„Warum ärgerst du dich denn?“ fragte Warjä. „Von alledem verstehst du nichts, bist wie ein Schuljunge. Du glaubst, das könnte dir in den Augen Aglajas schaden? Du kennst ihren Charakter nicht. Sie würde sich vom besten Bewerber abwenden und zu irgendeinem Studenten gehen, um mit ihm unter dem Dach zu wohnen und vielleicht Hungers zu sterben. So denkt sie. Du hast es immer noch nicht begriffen, wie interessant du in ihren Augen sein würdest, wenn du unsere Verhältnisse mit Festigkeit und Stolz ertrügest. Der Fürst hat sie nur damit gefangen, daß er sich gar nicht um sie kümmerte, und zweitens, daß er in den Augen aller als Idiot gilt. Schon allein, daß sie seinetwegen die ganze Familie aufregt – das ist es, was sie will. Ach, ihr Männer versteht auch gar nichts davon.“

„Nun, wir werden noch sehen, ob wir etwas davon verstehen oder ob wir nichts davon verstehen,“ äußerte sich Ganjä rätselhaft, „doch trotzdem möchte ich nicht haben, daß sie das vom Alten erfährt. Ich hoffe, der Fürst wird darüber schweigen. Er hat auch Lebedeff zum Schweigen verpflichtet; auch hat er mir gegenüber geschwiegen, als ich ihn versuchsweise ausfragte ...“

„Du mußt aber doch einsehen, daß es trotzdem allen bekannt werden wird. Ja, und was erhoffst du denn jetzt noch? Wenn dir eine einzige Hoffnung geblieben, so wäre es die, in ihren Augen als Märtyrer zu erscheinen.“

„Ungeachtet aller Romantik würde sie sich doch vor dem Skandal fürchten. Alles nur bis zu einer gewissen Grenze, so seid ihr Weibsmenschen nun mal.“

„Aglaja sich vor dem Skandal fürchten?“ fuhr Warjä heftig auf und sah den Bruder verächtlich an. „Hast doch eine niedrige Seele! Ihr seid alle nicht viel wert. Wenn sie auch wunderlich und lächerlich erscheinen mag, so ist sie doch tausendmal anständiger als wir alle.“

„Nun, sei nur nicht so böse,“ brummte Ganjä einlenkend.

„Mir tut nur die Mutter leid,“ fuhr Warjä fort, „wenn nur diese Geschichte mit Papa nicht zu ihren Ohren kommt, ach, das fürchte ich!“

„Sicher hat sie es schon erfahren,“ bemerkte Ganjä.