Nebenbei bemerkt – er hatte alles vollkommen richtig erraten. Der Fürst war, nachdem er von Aglaja verspottet und beschimpft und fast hinausgeworfen worden, nach Hause zurückgekehrt, und hatte wohl über eine halbe Stunde in einer düsteren, fast verzweifelten Stimmung verbracht – als plötzlich Koljä mit dem Igel im Körbchen erschien. Da klärte sich der Himmel im Augenblick auf: der Fürst schien förmlich von den Toten aufzuerstehen, überschüttete Koljä mit Fragen, hing an seinen Lippen, fragte wieder und nochmals, so daß Koljä dem Inhalte nach wohl zehnmal ein und dasselbe erzählte. Der Fürst war selig wie ein Kind und blickte mit sonnigen Augen die Knaben an, die auch ihn mit lachenden Blicken betrachteten und die seinen Händedruck – er dankte unzählige Male – ebenso froh und von Herzen erwiderten. Aglaja hatte ihm also verziehen! und nun konnte er wieder zu ihr gehen! konnte noch an diesem Abend hingehen! das aber war doch die Hauptsache – mehr verlangte er ja gar nicht!

„Was für Kinder wir doch noch sind, Koljä! und ... und ... wie gut das doch ist, daß wir solche Kinder sind!“ rief er zu guter Letzt ganz begeistert aus.

„Ach, ganz einfach, sie ist in Sie verliebt, Fürst, und das ist alles!“ versetzte Koljä überzeugt.

Der Fürst wurde feuerrot, sagte aber diesmal kein Wort, während Koljä schallend auflachte und vor Freude in die Hände klatschte. Nach einer Weile lachte auch der Fürst, dann aber blickte er alle fünf Minuten nach der Uhr, um zu sehen, ob noch viel Zeit bis zum Abend sei und ob er nicht schon hingehen könne.

Bei Jepantschins aber war es zu Ende mit der Kaltblütigkeit: Lisaweta Prokofjewna war mehr als nervös, war geradezu hysterisch erregt und ließ, ungeachtet der Einwendungen ihres Gatten und der beiden älteren Schwestern, Aglaja sogleich zu sich rufen, um von ihr eine „endgültige, klare Antwort zu erhalten, damit das endlich einmal aufhört und man die Geschichte ein für allemal vom Halse hat, denn sonst – bin ich noch vor dem Abend tot, einfach tot!“

Wie groß aber war ihre Verwunderung, von Aglaja nichts anderes zu hören, als – nach scheinbarem Erstaunen – Ausdrücke des Unwillens, sowie spöttische Bemerkungen und Gelächter über den Fürsten und über „dieses ganze Verhör“. Lisaweta Prokofjewna legte sich halb krank zu Bett und stand erst zum Tee wieder auf, da sie den Fürsten erwartete. Als dieser dann auch endlich erschien, konnte sie sich kaum noch beherrschen vor innerer Unruhe.

Schüchtern, fast ganz verzagt, trat der Fürst ein, mit einem seltsamen Lächeln im Gesicht und einem noch seltsameren Blick, mit dem er jedem in die Augen sah, und der fragen zu wollen schien, weshalb denn – Aglaja nicht im Zimmer war. Das hatte ihn sogleich erschreckt. Es war an diesem Abend niemand außer der Familie anwesend. Fürst Sch. weilte in Petersburg, da ihm und Jewgenij Pawlowitsch der Skandal, den der Tod von dessen Onkel hervorgerufen, immer noch viel zu schaffen machte. „Wenn doch Fürst Sch. jetzt hier wäre, der könnte wenigstens ein Gespräch anknüpfen!“ dachte Lisaweta Prokofjewna ganz verzweifelt. Iwan Fedorowitsch saß mit einer äußerst besorgten Miene da und wußte offenbar nichts zu reden; zum Unglück schwiegen auch die Schwestern und machten ernste Gesichter. „Mein Gott, wovon soll man sprechen!“ dachte Lisaweta Prokofjewna, ohne einen rettenden Gedanken zu finden. Schließlich nahm sie sich energisch zusammen, erzählte kurz, daß sie in Petersburg gewesen sei, und sprach dann sehr abfällig über die Eisenbahn, worauf sie mit entschiedener Herausforderung den Fürsten anblickte.

Doch wehe, Aglaja kam noch immer nicht, und der Fürst verlor seinen letzten Mut. Kaum verständlich, fast stotternd äußerte er „auch seine Meinung“, daß eine Verbesserung der Bahn sicherlich sehr nützlich wäre, doch plötzlich hielt es Adelaida nicht aus und lachte hell auf. Da war der Fürst wieder wie vernichtet. In diesem Augenblick erschien Aglaja. Ruhig und vornehm und etwas zeremoniell erwiderte sie den Gruß des Fürsten, nahm feierlich den sichtbarsten Platz am runden Tisch ein und blickte fragend den Fürsten an. Alle begriffen, daß jetzt der Augenblick der Entscheidung gekommen war.

„Haben Sie meinen Igel erhalten?“ fragte sie mit fester Stimme, fast böse.

„Ja, ich habe ihn erhalten,“ antwortete der Fürst, indem er errötete und kaum zu atmen wagte.