Warwara Ardalionowna hatte im Gespräch mit ihrem Bruder alles, was sie bei Jepantschins über die „Verlobung“ des Fürsten mit Aglaja in Erfahrung gebracht, genau genommen, ziemlich übertrieben. Allerdings war es möglich, daß sie mit dem Instinkt der echten Frau aus den erhaltenen Mitteilungen das Bevorstehende um so sicherer erraten hatte. Vielleicht aber hatte sie sich nach der eigenen Enttäuschung bloß die Genugtuung nicht versagen können, auch dem Bruder, den sie sonst aufrichtig liebte, eine ebenso große, wenn nicht noch viel größere Enttäuschung zu bereiten. Jedenfalls ist es nicht anzunehmen, daß ihre Freundinnen sie so genau unterrichtet hatten: es werden wohl nur Andeutungen oder mit Schweigen übergangene Fragen gewesen sein, aus denen dann Warjä selbst das Weitere gefolgert hatte. Vielleicht hatten auch Aglajas Schwestern mit Absicht manches verlauten lassen, um auf diese Weise selbst von Warjä etwas zu erfahren. Endlich aber konnte es sich noch so verhalten, daß auch sie ihre ehemalige Gespielin ein wenig ärgern wollten, denn daß sie in dieser langen Zeit überhaupt nichts von Warjäs Plänen erraten haben sollten, ist wohl nicht anzunehmen.
Andererseits kann man auch vom Fürsten sagen, daß er sich in einem kleinen Irrtum befand, als er Lebedeff versicherte, daß er ihm nichts besonderes mitzuteilen habe, da mit ihm nichts besonderes geschehen sei. Das war gerade das Eigentümliche an der Sache: es war allerdings nichts geschehen, dabei war aber doch sehr viel geschehen, und gerade das hatte Warwara Ardalionowna mit ihrem sicheren weiblichen Instinkt sogleich erraten.
Wie es nun eigentlich gekommen war, daß bei Jepantschins plötzlich alle in dem Gedanken, Aglaja stehe vor einem entscheidenden Schritt und es sei etwas Besonderes mit ihr vorgefallen, übereinstimmten, dürfte nicht leicht zu erklären sein. Doch kaum war dieser Gedanke aufgetaucht – seltsamerweise kam er allen fast zu gleicher Zeit –, als auch alle sogleich überzeugt waren, daß sie es „schon längst“ bemerkt und „klar vorausgesehen“ hätten, und zwar habe es bereits mit dem „Armen Ritter“ begonnen, oder noch früher, nur habe man an etwas so Widersinniges anfangs überhaupt nicht glauben wollen. So wenigstens behaupteten die Schwestern. Natürlich hatte Lisaweta Prokofjewna alles noch viel früher „vorausgesehen“, und „lange schon“ hatte ihr das Herz „deshalb weh getan“; doch ob nun lange oder nicht lange, jedenfalls war ihr der Gedanke an den Fürsten quälend, und das hauptsächlich deshalb, weil sie so gar nicht wußte, was sie nun eigentlich denken sollte. Vorläufig war ihr nur eines klar: daß es sich hier um eine Frage handelte, über die sie unverzüglich mit sich selbst ins reine kommen mußte; nur konnte sich die arme Lisaweta Prokofjewna nicht einmal die Frage, d. h. worin diese Frage nun eigentlich bestand, klar und deutlich vorlegen, von einem „Ins-Reine-Kommen“ ganz zu schweigen. Die Sache war in der Tat nicht einfach: War nun der Fürst überhaupt annehmbar? oder war er es nicht? War das alles gut? oder war es nicht gut? Wenn es nicht gut war – und das war es zweifellos – worin bestand dann das Schlechte? Wenn es aber vielleicht gut war – das war ja schließlich auch nicht so ganz unmöglich – worin bestand dann wiederum das Gute? Das Familienoberhaupt, der General Iwan Fedorowitsch, war ganz zuerst nur einfach erstaunt und völlig baff, dann aber vernahm seine Gattin wirklich das Geständnis von ihm, daß doch, „bei Gott, auch ihm die ganze Zeit so etwas Ähnliches geschienen habe, zwar nicht ohne weiteres und nicht immer, aber mitunter doch so wie in etwa ...“ Er verstummte aber schnell unter dem Blick seiner Gemahlin. Das war am Morgen – am Abend jedoch, als er mit ihr allein war und sich wiederum zu einer Meinungsäußerung gezwungen sah, sprach er ebenso plötzlich, doch auffallend gut gelaunt ein paar äußerst unerwartete Gedanken aus: „Aber schließlich – was ist denn dabei so schlimm? ...“ meinte er. Die Antwort der Generalin war Schweigen. „Natürlich ist das alles immerhin sehr seltsam, vorausgesetzt, daß überhaupt etwas daran ist, doch im übrigen ...“ Schweigen. „Andererseits aber, wenn man die Dinge positiv betrachtet, das heißt, so wie sie sind, so ist doch der Fürst, bei Gott, ein prächtiger Junge und ... und ... nun und schließlich ist doch auch der Name etwas wert, der Name eines alten Geschlechts, und so etwas nimmt sich doch gar nicht übel aus, ist sozusagen eine Aufrechterhaltung des alten Stammes, und somit in den Augen der Gesellschaft ... das heißt, ich meine nur ... Gesellschaft bleibt Gesellschaft ... Und dann: der Fürst ist ja auch gerade kein Armer, wenn er auch gerade kein Millionär ist, und ... und ... hm! ...“ Das Schweigen dauerte an, und Iwan Fedorowitsch verstummte endgültig.
Als Lisaweta Prokofjewna ihren Mann angehört hatte, war sie über alle Maßen empört.
Ihrer Meinung nach war alles nur ein „unverzeihlicher und sogar im höchsten Grade unschicklicher Unsinn, irgendein dummer phantastischer Einfall und weiter nichts!“ Und zwar allein schon deshalb, weil „dieser elende Fürst ein kranker Idiot, erstens, und zweitens ein Dummkopf ist, der weder die Welt kennt noch eine Stellung in der Welt einnimmt. Wem zeigst du ihn, wo kannst du ihn unterbringen? Ein Mensch mit ganz unmöglichen demokratischen Ideen, und nicht einmal im Staatsdienst steht er, und ... und was wird die Bjelokonskaja sagen? Haben wir denn einen solchen, einen solchen Mann für Aglaja erwartet?“ Das letzte Argument war selbstverständlich das wichtigste. Ihr Mutterherz erzitterte bei diesem Gedanken und „weinte blutige Tränen“, wenn sich auch gleichzeitig in diesem Herzen etwas regte, das ihr plötzlich ganz gegen ihren Willen die Frage aufzwang: „Aber weshalb ist denn der Fürst nicht der Richtige für Aglaja?“ Diese Widerlegungen des eigenen Herzens waren es gerade, die der armen Lisaweta Prokofjewna am meisten zu schaffen machten.
Aglajas Schwestern jedoch erschien der Gedanke, den Fürsten zum Schwager zu bekommen, durchaus nicht so unmöglich und sogar nicht einmal sonderbar; im Gegenteil, sie waren sogar sehr für ihn, nur schienen sie beide stillschweigend beschlossen zu haben, vorläufig noch zu schweigen. Sie wußten aus alter Erfahrung, daß die Mutter, wenn sie sich am hartnäckigsten einer Sache widersetzte, sich dann im Herzen bereits halbwegs mit ihr ausgesöhnt hatte. Übrigens konnte Alexandra Iwanowna doch nicht lange bei ihrem Schweigen bleiben: da es der Mutter nun einmal zur Angewohnheit geworden war, ihre Älteste in allen schwierigen Dingen um Rat zu fragen, so rief sie sie auch jetzt fast stündlich zu sich, um ihre Meinung zu hören oder – und das vor allen Dingen – um sie immer wieder zu fragen, wie das nur alles gekommen wäre, warum es niemand früher bemerkt, weshalb man nicht früher davon gesprochen habe? Und was hatte dieser verwünschte „Arme Ritter“ zu bedeuten gehabt? Warum war sie, Lisaweta Prokofjewna, allein dazu verurteilt, sich um alle zu sorgen, alles zu bemerken und zu erraten, während die anderen einfach schliefen? Alexandra Iwanowna war anfangs etwas vorsichtig und bemerkte nur, daß ihr die Auffassung des Vaters, die Gesellschaft würde die Verbindung einer Jepantschin mit dem Fürsten Myschkin nur gutheißen, sehr richtig erschiene. Doch allmählich geriet sie in Eifer und erklärte unumwunden, daß der Fürst durchaus kein „Dummkopf“ sei, und was seine Bedeutung in der Gesellschaft anlange, so könne man doch gar nicht wissen, wonach in ein paar Jahren das Ansehen eines Menschen in Rußland beurteilt werden würde: ob immer noch nach dem alten Maßstabe, den pflichtschuldigen Erfolgen im Staatsdienst, oder nach etwas ganz anderem. Auf alle diese Äußerungen hatte die Generalin nur die eine Antwort, daß Alexandra eine Freidenkerin und daß alle ihre Ansichten auf „diese unselige Frauenfrage“ zurückzuführen seien. Eine halbe Stunde später fuhr Lisaweta Prokofjewna nach Petersburg, wo sie sich nach dem Kamennyj Ostrow[30] begab, um die alte Fürstin Bjelokonskaja, die nur auf kurze Zeit nach Petersburg gekommen war, zu besuchen. Die Fürstin war Aglajas Taufmutter.
Die alte Bjelokonskaja vernahm alle fieberhaften und verzweifelten Geständnisse Lisaweta Prokofjewnas mit ungewöhnlicher Ruhe und ließ sich auch von ihren Tränen nicht rühren, ja fast blickte sie spöttisch auf sie herab. Sie war eine große Despotin, die auch jetzt noch, nach fünfunddreißigjähriger Freundschaft, ihre Lisaweta Prokofjewna gewissermaßen als ihren Schützling betrachtete. Deshalb war ihr jede Selbständigkeit an der Generalin zum mindesten nicht nach Wunsch. In ihrer Antwort bemerkte sie unter anderem, daß „man bei euch, meine Liebe, nach alter Gewohnheit wieder aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat. Oder wäre es nicht besser, man wartete noch ein wenig ab!?“ Übrigens halte sie den Fürsten für einen sehr anständigen jungen Mann, allerdings sei er krank, ein Sonderling und von etwas gar zu geringer Bedeutung. Das Schlimmste sei jedoch, daß er ganz offiziell eine Geliebte unterhalte. Lisaweta Prokofjewna begriff natürlich, daß die Bjelokonskaja sich noch immer ein wenig über den Mißerfolg Jewgenij Pawlowitschs ärgerte, da sie ihn ganz besonders empfohlen hatte. Im übrigen kehrte sie noch gereizter nach Pawlowsk zurück, als sie fortgefahren war. Zu Hause angelangt, erhielten alle Familienmitglieder sogleich einen Verweis, hauptsächlich deshalb, weil sie „sämtlich verrückt geworden“ seien und es entschieden in keinem anderen Hause so zugehe wie bei ihnen. „Was ist denn eigentlich geschehen? Weshalb dieses Geschrei? Ich wenigstens vermag nichts zu entdecken, nichts, das von so außerordentlicher Wichtigkeit wäre! Wartet doch, bis erst etwas geschieht! Vieles, was Iwan Fedorowitsch ‚so vorkommt‘ – was ist’s in Wirklichkeit? Man kann doch nicht immer aus einer Mücke einen Elefanten machen!“ usw. usw.
Somit ergab sich also, daß man sich beruhigen, kaltblütiger werden und warten mußte. Aber ach, das war leichter gesagt als getan: die Ruhe dauerte keine zehn Minuten. Den ersten erschütternden Stoß erhielt Lisaweta Prokofjewnas „Kaltblütigkeit“ durch die Mitteilung dessen, was sich während ihrer Abwesenheit zugetragen hatte. (Es war das am Tage nach jenem nächtlichen Besuch des Fürsten, als er, im Glauben, es sei erst zehn Uhr, um ein Uhr nachts bei ihnen erschienen war.) Die Schwestern erzählten auf die immer ungeduldiger werdenden Fragen der Generalin, daß eigentlich „so gut wie nichts“ in ihrer Abwesenheit geschehen sei, der Fürst sei nur gekommen, Aglaja habe sich jedoch lange nicht gezeigt, erst nach etwa einer halben Stunde wäre sie dann erschienen und habe dem Fürsten sogleich den Vorschlag gemacht, eine Partie Schach zu spielen. Da nun der Fürst ein sehr schlechter Schachspieler sei, habe ihn Aglaja mit Leichtigkeit geschlagen, sich sehr darüber gefreut, ihn wegen seines Nichtkönnens gehörig aufgezogen und so über ihn gelacht, daß der Fürst ihnen geradezu leid getan habe. Darauf habe sie ihm eine Partie „Duraki“[31] vorgeschlagen, doch hier sei es umgekehrt gekommen: der Fürst habe sich als ein vorzüglicher Durakispieler erwiesen, er habe „wirklich meisterhaft gespielt, wie ... wie ein Professor“. Aglaja habe zwar auf alle Arten zu gewinnen versucht, habe betrogen, die Karten falsch ausgegeben und vor seinen Augen seine Stiche gestohlen, doch trotzdem habe der Fürst sie jedesmal zum „Durak“ gemacht, von fünf Partien habe sie keine einzige gewonnen. Das habe Aglaja über alle Maßen geärgert, sogar so sehr, daß sie sich völlig vergessen und dem Fürsten solche Anzüglichkeiten und Ungezogenheiten ins Gesicht gesagt habe, daß der Fürst nicht nur zu lachen aufgehört habe, sondern sogar ganz bleich geworden sei, bis sie schließlich ausgerufen, daß sie dieses Zimmer nicht mehr betreten werde, solange er hier säße, und daß es von ihm geradezu gewissenlos sei, sie weiterhin zu besuchen, und noch dazu um ein Uhr nachts ins Haus zukommen –: „nach allem, was geschehen sei!“ Und damit sei sie hinausgegangen und habe zornig die Tür hinter sich zugeschlagen. Der Fürst sei hierauf aufgestanden und ungeachtet all ihrer Beruhigungen und Trostversuche so traurig wie von einer Beerdigung heimgegangen.
Doch siehe da, kaum eine Viertelstunde nach dem Fortgehen des Fürsten sei Aglaja ganz plötzlich aus ihrem Zimmer, das im oberen Stock lag, die Treppe heruntergerast und auf die Terrasse gelaufen – alles das in einer solchen Eile, daß sie ihre verweinten Augen nicht einmal zu verbergen gesucht habe, und zwar deshalb, weil – Koljä mit einem Igel erschienen war. Alle hatten sich alsbald um den Igel versammelt und ihn interessiert betrachtet. Auf ihre Fragen habe Koljä erklärt, daß der Igel nicht ihm gehöre; er, Koljä, sei mit seinem Freunde, dem Gymnasiasten Kostjä Lebedeff, der unten auf der Straße auf ihn warte (dieser hatte sich geniert, einzutreten, da er ein Beil trug), sei also mit diesem Kostjä Lebedeff gegangen, und unterwegs hätten sie von einem Bauern, der ihnen begegnet, den Igel für fünfzig Kopeken gekauft, und dann hätten sie ihn noch beredet, ihnen auch das Beil zu verkaufen, denn es wäre doch eine gute Gelegenheit und ein sehr gutes Beil gewesen. Da habe Aglaja plötzlich den Koljä flehentlich zu bitten begonnen, ihr den Igel zu verkaufen, ja, sie habe sogar „lieber, lieber Koljä“ zu ihm gesagt, doch Koljä habe lange nicht eingewilligt, endlich aber habe er sich erweichen lassen und Kostjä Lebedeff gerufen, der dann auch mit seinem Beil erschienen und sehr verlegen gewesen sei. Da aber hatte es sich dann plötzlich herausgestellt, daß der Igel gar nicht ihnen, sondern einem dritten Jungen gehörte, einem gewissen Petroff, der ihnen Geld gegeben hatte, damit sie ihm Schlossers „Weltgeschichte“ von irgendeinem vierten Jungen, der das Werk infolge Geldmangels billig abgab, kaufen sollten; sie aber hatten nun, statt Schlossers „Weltgeschichte“, unterwegs diesen Igel gekauft, da sie beide der Versuchung nicht hatten widerstehen können: folglich aber gehörten der Igel und das Beil jenem dritten Jungen, dem sie sie nun an Stelle der Weltgeschichte zu überbringen im Begriff gewesen waren! Doch Aglaja habe nicht nachgelassen und immer dringender gebeten, bis die Jungen sich zum Verkauf des Igels entschlossen hätten. Hierauf habe Aglaja den Igel sogleich mit Koljäs Hilfe in ein Körbchen eingepackt und mit einer Serviette hübsch zugedeckt. Und dann habe sie Koljä gebeten, „sogleich, unverzüglich, ohne sich irgendwo aufzuhalten“, dieses Körbchen dem Fürsten zu bringen, mit der Bitte, es in ihrem Namen als „Beweis ihrer größten Hochachtung empfangen zu wollen“. Koljä habe mit Freuden eingewilligt, habe aber sogleich, naseweis wie er war, zu fragen begonnen, was denn dieser Igel und ein solches Geschenk überhaupt für eine Bedeutung habe. Aglajas Antwort sei gewesen, daß das nicht seine Sache sei und ihn somit nichts angehe. Hierauf habe Koljä geäußert, daß seiner Überzeugung nach der Igel unbedingt ein Symbol sein müsse. Darüber habe sich Aglaja geärgert und ihm gesagt, er sei ein „dummer Bengel und weiter nichts“. Doch Koljä, der auch nicht auf den Mund gefallen sei, habe sofort entgegnet, daß er, wenn er in ihr nicht das Weib und überdies seine Überzeugungen achtete, ihr unverzüglich beweisen würde, daß er auf eine solche Beleidigung zu entgegnen wisse. Geendet habe der Streit aber doch damit, daß Koljä strahlend mit dem Igel abgezogen sei, gefolgt von dem gleichfalls strahlenden Kostjä Lebedeff. Als jedoch Aglaja, die ihnen nachgeschaut, bemerkt hatte, daß Koljä den Korb schaukelte, habe sie ihm von der Terrasse fast ängstlich nachgerufen: „Koljä, Täubchen, bitte, werfen Sie den Igel nicht heraus!“ ganz als hätte sie sich durchaus nicht soeben noch mit ihm gezankt. Und da sei denn Koljä stehengeblieben und habe ebenso freundlich, d. h. gleichfalls so, als wäre nichts Böses vorgefallen, und mit der größten Bereitwilligkeit, zurückgerufen: „Nein, ich werde ihn nicht herauswerfen, Aglaja Iwanowna. Sie können ganz ruhig sein!“ worauf er seinen Weg eilig und freudig fortgesetzt hatte. Aglaja aber habe entsetzlich zu lachen begonnen und sei äußerst zufrieden in ihr Zimmer zurückgekehrt und überhaupt den ganzen Tag überaus lustig gewesen.
Lisaweta Prokofjewna war wie betäubt. Doch im Grunde genommen: was war denn schließlich so Ungeheuerliches geschehen? Nichtsdestoweniger erreichte ihre Unruhe die äußerste Grenze. Die Hauptsache war – der Igel! Was bedeutet ein Igel? Was sollte dieses Geschenk? Was sollte das, was hieß das, was war darunter zu verstehen?! Zum Unglück mußte Iwan Fedorowitsch, der gerade zugegen war, durch seine Antwort die Sache noch beängstigend verschlimmern. Seiner Meinung nach war hier „gar nichts darunter zu verstehen, ein Igel ist ein Igel und weiter nichts – höchstens, daß er noch Freundschaft bedeutet, vergessene Kränkung, Versöhnung und so weiter, kurz und gut, das Ganze ist doch nur ein Scherz, jedenfalls aber ein unschuldiger und verzeihlicher.“