„Gibt doch Gott bisweilen solch einen Tod den Menschen – weshalb aber nicht auch mir? Sie glauben vielleicht, daß ich nicht fähig wäre, so zu sterben wie Gleboff?“

„Oh, durchaus nicht,“ sagte der Fürst verwirrt, „oder vielmehr, ich wollte nur sagen, daß Sie ... das heißt, nicht, daß Sie dem Gleboff unähnlich wären, sondern ... daß Sie ... daß Sie dann eher ...“

„Ich errate: daß ich dann eher Ostermann gewesen wäre? und nicht Gleboff – wollen Sie das damit sagen?“

„Was für ein Ostermann?“ wunderte sich der Fürst.

„Na, Ostermann, der große Diplomat Ostermann, Peters Ostermann,“ murmelte Hippolyt, plötzlich etwas verwirrt.

Es folgte eine kleine Pause, in der beide das Mißverständnis fühlten.

„Oh, n–n–nein! Ich wollte nicht das sagen,“ fuhr der Fürst langsam fort. „Sie würden, glaube ich ... niemals ein Ostermann gewesen sein.“

Hippolyt ärgerte sich und runzelte wieder die Stirn.

„Übrigens, ich sage das ja doch nur deshalb,“ verbesserte sich der Fürst schnell, „nur deshalb, weil die Menschen von damals – wirklich, es hat mich immer frappiert – sozusagen gar nicht dieselben Menschen waren, die jetzt leben. Es ist, als wären wir damals ein ganz anderes Volk gewesen, nein, wirklich, als handelte es sich um zwei ganz verschiedene Rassen ... Damals waren die Menschen gewissermaßen Menschen mit nur einer Idee, jetzt aber sind sie viel problematischer, komplizierter, sensitiver, sind Menschen mit zwei, drei Ideen zu gleicher Zeit ... Der jetzige Mensch ist ... geistig breiter – und ich schwöre Ihnen, gerade das hindert ihn, ein so einheitlicher Mensch zu sein, wie es die Menschen in jenen Jahrhunderten waren ... Ich ... ich habe das nur in dem Sinne gesagt, nicht daß ich ...“

„Ich verstehe schon. Weil Sie so naiv offen nicht mit mir einverstanden waren, wollen Sie mich jetzt trösten, ha–ha! Sie sind ein vollkommenes Kind, Fürst. Indes ... ich bemerke, daß Sie mich alle wie ... wie eine Porzellantasse behandeln. Tut nichts, tut nichts, ich ärgere mich nicht. Jedenfalls haben wir ein sehr lächerliches Gespräch geführt. Sie sind mitunter wirklich ein ganzes Kind. Wissen Sie, daß ich vielleicht auch etwas besseres sein wollte, als ein Ostermann ... für einen Ostermann lohnt es sich nicht, von den Toten aufzuerstehen. Ich sehe, daß ich möglichst bald sterben muß, denn sonst würde ich selbst ... Lassen Sie mich! Auf Wiedersehen! Doch gut, sagen Sie mir selbst, welches wäre für mich die beste Art, zu sterben, was meinen Sie? ... Damit es möglichst ... nun, sagen wir – heldenhaft geschähe? Nun, was meinen Sie!“